Versorgungslücken aufgrund von Personalmangel

Das Pflege-Thermometer 2016, welches vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln veröffentlicht wird, zeigt einen ziemlich fiebrigen Patienten – die ambulante Pflege in Deutschland. Diese ächzt unter dem Personalmangel, was zum teil dramatische Folgen für die Pflegebedürftigen hat. 

Die Pflegeforscher kommen in ihre Studie zu dem Ergebnis, dass der ambulante Markt ein Wachstumsmarkt ist. Das ist aber auch schon die einzig gute Nachricht, denn dieser diagnostizierte Wachstumsmarkt stößt schnell an seine Grenzen. Zunächst steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, die dadurch potenzielle Kunden für ambulante Pflegedienste darstellen. Das führt zunächst dazu, dass etwa 50% aller Pflegedienste optimistisch in die Zukunft blicken 

Damit enden schon die guten Nachrichten der Studie. Denn der größte limitierende Faktor für Wachstum ist der Personalmangel. So gibt es zwar allein aufgrund der demografischen Entwicklung ein riesiges Kundenpotenzial – aber wegen des Fachkräftemangels können die Wachstumspotenziale nicht ausgeschöpft werden. 

Der Studienleiter Dr. Michael Isfort sagt voraus, dass es schon derzeit für Fachkräfte zwischen 21.000 und über 37.000 offene Stellen gibt. Nimmt man die Zahl von ca, 13.000 ambulanten Diensten in ganz Deutschland als Grundlage, fehlen fast bis zu 3 Vollkräfte pro Pflegedienst – übersetzt bedeutet das, dass pro Monat ca. 330 Netto-Pflegestunden pro Pflegedienst nicht bedient werden können. Nimmt man weiter an, dass jeder potenzielle Patient 1 Netto-Pflegestunde am Tag benötigt, können so pro Durchschnitts-Pflegedienst 11 Patienten nicht versorgt werden. 

Die Folge des Personalmangels ist daher, dass es zu einer gravierenden Unterversorgung kommt. Annähernd ein Drittel der Befragten nehmen wahr, dass es in ihrer jeweiligen Region zu Lücken in der ambulanten Versorgung kommt. Ganz zu Schweigen von der Mitarbeit an quartiersbezogenen Ansätzen der Versorgung: Hier kapitulieren über 40% der befragten Pflegedienste, da die Belastungen im Tagesgeschäft solche Aktivitäten unmöglich machen. Das Gleiche gilt für die Arbeit an gemeinwesenorientierten Ansätzen. 

Ob die Ansätze von Isfort – Teilzeitquoten senken, Pflegeausbildung stärken und Netzwerkarbeit zu strukturieren, darf seitens der Redaktion bezweifelt werden. Die beiden Lösungen für den Fachkräftemangel heißen 1. eine deutlich bessere Bezahlung und 2. wesentlich familienfreundlichere Arbeitszeiten.