So soll der künftige Pflege-TÜV aussehen

Bislang kann es die skurrille Situation geben, dass ein Heim mit der Note 1,0 wirbt und dennoch von der Heimaufsicht geschlossen wird. Das leigt zum einen daran, dass die Pflegenote quasi vom Vertragspartner (Kassen und deren Erfüllungsgehilfe MDK) vergeben wird – die Heimaufsicht aber dem Ordnungsrecht unterliegt. 

Mit einem Pflege-TÜV, der nicht mehr das geschriebene Papier in den Vordergrund rückt, sondern die Ergebnisqualität stärker berücksichtigt, wird dieser Widerspruch beseitigt. Vorschläge zu einem sinnhafteren Pflege-TÜV wurden jetzt von der Bertelsmann-Stiftung vorgelegt. 

Die Stiftung fordert, dass die Frage nach der Lebensqualität für die Pflegebedürftigen im Vordergrund stehen müsse. Folgende Merkmale könnte ein Indikator zur Lebensqualität zum Beispiel beinhalten: 

  • Gesundheit
  • Selbstbestimmtheit
  • Teilhabe
  • Spiritualität 

Zudem schlägt die Bertelsmann-Stiftung vor, dass auch das Erfahrungswissen von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen erhoben wird. Das solle mit Hilfe eines standardisierten Erhebungsbogens passieren. 

Es soll nicht mehr vorkommen, dass mit Hilfe von statistischen Tricks ein Pflegemangel verborgen werden kann. So soll zum Beispiel bei den einzelnen Prüffragen die bislang praktizierte Mittelwertbildung abgeschafft werden. Ersetzt werden soll die Mittelwertbildung dadurch, dass sich die Einzelnote schon dann signifikant verschlechtert, wenn ein Mangel auch nur bei einem Pflegebedürftigen auftritt. 

Wenn bislang zum Beispiel ein Mangel in der Dekubitusprophylaxe bei einem von z.B. 8 geprüften Pflegekunden auftrat, kam es zum Skalenwert 8,75, was der Note 1,8 (stationär) entsprach. Trotz eines Mangels bei der Dekubitusprophylaxe wird dieser Bereich nach bisherigem System dennoch mit „ gut“ bewertet. 

Ferner fordern die Autoren der Studie, dass Pflegeanbieter verpflichtend jährlich einen Qualitätsbericht abgeben. Eine Freiwilligkeit zur Datenerhebung hätte sich nicht bewährt. Insgesamt enthalten die Vorschläge der Stiftung ein paar sinnvolle Ideen. Man darf gespannt sein, ob diese auch in die Überlegung zur Neugestaltung des Pflege-TÜV einfließen werden.