Sechsstellige Zahl an Pflegefachkräften fehlt in Deutschland

Der Fachkräftemangel wird vor allem am demografischen Wandel festgemacht. So gibt es immer weniger junge Menschen ,die die stark anwachsende Zahl älterer Pflegebedürftiger versorgen kann. Doch das Fehlen von über 160.000 Fachkräften in Deutschland ist nicht einfach nur mit der Demografie zu erklären, auch wenn die Politik sich gern dahinter versteckt. 

Die Gründe liegen nämlich ganz woanders, wie jüngst der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) festgestellt hat. In einer Umfrage des DBfK kam nämlich ans Licht, dass vor allem Faktoren wie die Überlastung der Mitarbeiter in der Pflege zu Unattraktivität und vor allem zu einem schlechten Image des Pflegeberufes beiträgt. 

Es ist also nicht nur der demografische Wandel schuld, wie es uns die Politiker immer wieder verkaufen wollen. Auf dem internationalen Tag der Pflege im Mai, der von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi veranstaltet wurde, wurden ähnliche Aussagen laut. Hinzu kommt die zum Teil sehr schlechte Bezahlung. Da kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausbildungsvergütungen im Vergleich zu anderen Berufen recht hoch sind. Denn was hilft das, wenn später das eigentliche Fachkraftgehalt so gering ist, dass es zum Leben kaum reicht. 

Bei der oben angeführten DBfK-Umfrage kamen Ergebnisse heraus, die so gar nicht zur der Politiker-These des demografischen Wandels passen wollen. Dazu muss gesagt werden, dass auch unsere Kollegen aus den Kliniken an der Umfrage teilgenommen haben. 

Die Ergebnisse im Einzelnen: 

  • Ca. die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie ein bis zwei zusätzliche Schichten pro Monat übernehmen müssen
  • Über 30% der Befragten muss sogar bis zu 5 Schichten übernehmen
  • Jeder 10. Befragte geben an, dass die Übernahme zusätzlicher Schichten sogar wöchentlich vorkommt
  • Freie Tage und Urlaub werden mittlerweile als unentgeltliche Rufbereitschaft empfunden
  • Der Arbeitsdruck sorgt dafür, dass gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht eingehalten werden können. 

Unstrittig ist natürlich, dass zunächst einmal die Arbeitgeber in der Pflicht sind, unter den gegebenen Umständen für erträgliche Arbeitsbedingungen sorgen. Dennoch kann der Fachkräftemangel nur dann behoben werden, wenn sich die Politik endlich dazu entschließt, deutlich mehr Geld ins System zu schießen, was sich zu allererst in deutlich besserer Bezahlung der Pflegekräfte niederschlagen muss.