Mit aller Macht Quote mit Pflegeheim-Skandalen machen

Danach lechzt die Boulevardpresse und das Primitiv-TV. Endlich ein neuer Pflegeskandal zum Ausschlachten. Denn jetzt zeigt eine Auswertung des Recherchezentrums correctiv.org, dass angeblich fast zwei Drittel aller Pflegeheime bei Qualitätsprüfungen auffallen. 

Hauptaufriss seitens des Recherchezentrums sind die unterschiedlichen Pflegeheimkosten im Vergleich zu Ergebnissen aus Qualitätsprüfungen. Ähnlich nach dem Motto „sex sells“ verkauft sich die immerwährende Geschichte der bösen Heime, die skrupellos die Pflegebedürftigen schröpft, wie geschnitten Brot. 

Mit einiger Schärfe reagiert auch der Trägerverband Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) auf diese Recherche. Der bpa macht deutlich, dass es sich hier nur um willkürlich ausgewählte Kriterien handelt. Damit soll die gesamte Branche an den Pranger gestellt werden. 

Weiter spricht der Trägerverband zu Recht von einer „würdelosen Behandlung“, einer „Skandalisierung“ und eine auf Quote ausgerichtete Berichterstattung. Vielmehr macht der bpa in einer Pressemitteilung deutlich, dass die Pflegekräfte in den Heimen gute Arbeit leisten. Kritisiert wird zudem die Berichterstattung durch Personen ohne fachliche Eignung

Aus solchen Berichten folgt zudem, dass die Personalgewinnung für den Pflegeberuf immer komplizierter wird. Zudem wird der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild unserer Branche gezeichnet. Fraglos gibt es schwarze Schafe – das ändert aber nichts an dem Engagement von Betreibern, Managern und Mitarbeitern der großen Mehrheit unserer Heime und Pflegedienste

Unstrittig ist, dass Mängel erkannt und vor allem umgehend behoben werden müssen. Unstrittig ist auch, dass an den großen strukturellen Problemen unserer Branche gearbeitet werden muss. Allerdings hilft eine durchgängig negative Berichterstattung der Pflege nicht weiter. Insofern ist zu hoffen, dass endlich einmal positive Beispiele aus unseren Einrichtungen der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden und sich unsere Branche noch viel stärker gegen sinnlose Sensationsberichte über „Pflegeskandale“ wehrt.