Laumann will Kompetenzen der Pflegekräfte stärken

Lange schon kämpft die Pflege um eine Gleichbehandlung mit den Ärzten. Zum Teil nimmt das groteske Züge an, zum Teil aber könnte die Stärkung der Kompetenzen und Befugnisse von Pflegefachkräften ein Segen für unser Gesundheitssystem sein. Der Bundesbevollmächtigte für die Pflege, Karl-Josef Laumann, setzt sich nun auch für die Stärkung der Pflegefachkräfte ein. 

Der CDU-Politiker fordert die Stärkung der Entscheidungskompetenz für Pflegefachkräfte. Im Zentrum seiner Forderung steht das Ansinnen, dass Pflegekräfte künftig bestimmte Hilfsmittel für ihre pflegebedürftigen Patienten selbständig verordnen sollen. Dies äußerte Laumann jüngst öffentlich auf einer Pressekonferenz eines Fachverlages. 

Der Gesundheitsstaatsekretär schwingt sich damit an die Spitze derer, die eine Ausweitung der Kompetenzen von Pflegefachkräften fordern. Vor allem die vorgesehene Akademisierung der Pflege müsse zu mehr Kompetenz und Befugnis führen, so viele Stimmen derer, die von einer Gleichstellung der  Pflege mit dem Arztberuf träumen. 

Die ehemalige Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Marie-Luise Müller, zeichnete indes ein düsteres Bild der Gegenwart. Müller beklagt sich, dass die Pflege zur Zeit noch von Medizin, Ärzten und der Politik fremdbestimmt wird (solange sich aber Pflege durch die Kassen bei jeder Vergütungsverhandlung vergewaltigen lässt, muss man sich darüber auch nicht wundern – Anm. der Redaktion). Aus Sicht der ehemaligen Verbandsfunktionärin führt das zu katastrophalen Bedingungen in Kliniken, weil das Pflegepersonal aus Frustration oft schon innerlich gekündigt hat. 

Marie-Luise Müller befürwortet einen Aufstand von unten nach oben. Sie stützt sich auf Aussagen von Pflegefachkräften und Pflegeschülern, die sich eigentlich nicht als Hilfskraft der Ärzte sehen. Diese äußern den Wunsch, auch an der Dosierung von Medikamenten mitwirken zu dürfen. Schließlich sei man „näher am Patienten“

In der Praxis von ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen ist es durchaus so, dass etliche Ärzte auf die Vorschläge von Pflegefachkräften hinsichtlich Medikamentenanordnungen und auch Hilfsmittelverordnungen eingehen. Zudem muss aus Sicht der Redaktion auf 2 wesentliche Punkte in der Diskussion hingewiesen werden: 

Zum einen hat ein Medizinstudium ein wesentlich höheres Niveau als eine wie auch immer geartete Pflegeausbildung. Zum anderen führt auch die von einigen gewollte krampfhaft gewollte Akademisierung der Pflegeausbildung ins Nichts: Was die Pflege bracht, sind keine zettelvollschreibenden und diskutierenden Fachidioten, sondern zupackende Kräfte, die eine klassische Krankenbeobachtung in sinnvolle pflegerische Maßnahmen umwandeln und sich bei Bedarf den Arzt für die Versorgung mit ins Boot holt.