Integrieren statt generalisieren – Wege aus dem Irrsinn der Reform der Pflegeausbildung

Am 30.Mai gab es eine öffentliche Anhörung (Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor) zur generalistischen Pflegeausbildung. Bundesgesundheitsminister Gröhe und sein Adjutant, der „Pflegebevollmächtigte“ Karl-Josef Laumann hatten das Qualitätssenkungsprogramm erst durch die gesetzgebenden Instanzen geprügelt. Nun aber regt sich Widerstand. 

Schon öfter hatten wir an dieser Stelle unserer Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die generalistische Pflegeausbildung doch noch abgewendet werden kann. Neue Nahrung bekommt der Hoffnungsschimmer nun durch die neue grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg. 

Die Stuttgarter Koalitionäre haben nämlich in ihrem Koalitionsvertrag eine deutliche Distanzierung zu den Plänen der Bundesregierung zum Ausdruck gebracht. Dies passt umso besser zu dem oben genannten Termin derExpertenanhörung zu der Reform der Pflegeausbildung, die ab 2019 die Ausbildungsgänge Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege vereinen soll. 

Der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung fordert „...eine integrative oder modulare Ausbildung …, bei der eine Spezialisierung am Ende der Ausbildung erfolgt und die hohe Qualifizierung und Professionalisierung in der Pflege erhalten bleibt." Genau die an dieser Stelle geforderte Spezialisierung wird ja gerade durch die Generalistik vernichtet. 

Auch Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) deutet die Aussagen der Koalitionäre als Widerstand gegen die generalisierte Pflegeausbildung. Schließlich sei nicht die Rede von einer generalistischen Ausbildung vom ersten und letzten Tag – vielmehr werde eine Spezialisierung gefordert. Der VDAB-Funktionär leitet daraus eine klare Distanzierung der Landes-CDU gegen die eigene Bundespartei ab. 

Der Trägerverband Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) schließt sich dieser Deutung an. Aus Sicht des bpa-Geschäftsführers Bernd Tews ergibt sich so Rückenwind für den Erhalt eigenständiger Berufsabschlüsse in den einzelnen Pflegebereichen. Die Hoffnung lebt also weiter, dass das Qualitätssenkungs-programm „Generalistik“ doch noch gestoppt werden kann.