Demente halten als Versuchskaninchen her

Dass Politiker und Pharmafirmen nicht gerade harmlose Bewohner von Nonnenklostern sind, ist weitläufig bekannt. Unfassbar ist allerdings, dass sich die Politik mal wieder für die Pharmaindustrie vor den Karren spannen lässt und skrupellos ein geradezu perverses Gesetz verabschieden wird. 

Besonders perfide ist dabei, dass das so genannte „Vierte Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ just in der Zeit durchgewunken wurde, wo unsere Branche mit dem Pflegestärkungsgesetz II und dem Qualitätskiller „generalistische Pflegeausbildung“ beschäftigt ist. 

Eine Berliner Tagezeitung berichtete gerade über das Unfassbare: Nach dem Willen der Politiker sollen künftig Medikamente an dementen und geistig behinderten Menschen getestet werden, die überhaupt keinen Nutzen für die Betroffenen haben. Man fühlt sich dabei schnell an Tierversuche erinnert. 

Das betreffende Gesetz soll jetzt im Juni verabschiedet werden und bereits im August in Kraft treten. Wie immer, wen Politik schnell handelt, ist also Vorsicht geboten. Bislang war es so, dass Medikamententests an nicht einwilligungsfähigen Menschen nur dann legal sind, wenn auch ein persönlicher Nutzen zu erwarten ist. 

Das Bundesforschungsministerium aber will dieses Verbot kippen und drängt darauf, dass solche Studien auf Personenkreise erweitert werden können, die aber überhaupt keinen Nutzen von den Medikamententests haben. Das Forschungsministerium spricht dabei rhetorisch geschickt von „Gruppennützigigkeit“. Insgesamt ist zu hoffen, dass dieses Vorgehen einer breiten Öffentlichkeit publik gemacht wird und dieses gesetz gestoppt wird.