Bundesregierung will Generalistik mit aller Gewalt

Wenn die Politik schnell handelt, ist höchste Vorsicht geboten. Denn dann stecken fragwürdige Motive dahinter und heraus kommt nichts als Murks. Ist schon die mit aller Macht von Laumann propagierte „entbürokratisierte Pflegedokumentation“ nichts weiter als ein Personalkosten-Senkungsprogramm für Altenheim-Konzerne, ist die nicht minder aggressiv verfolgte Generalisierung der Pflegeausbildung bloß ein weiterer Baustein, der geradewegs in die politisch gewollte Billig-Pflege führt. 

Natürlich hat die Politik begriffen, dass die Kombination „demografischer Wandel“ und „Fachkräftemangel“ geradewegs in die Pflege-Katastrophe führen wird. Damit Staat und Kranken- bzw. Pflegekassen heil aus der Explosion des Pflegenotstandes kommen, werden im Eiltempo Reformen verabschiedet, die endgültig eine menschenwürdige Pflege hilfebedürftiger Menschen beerdigen werden. Doch der Reihe nach: 

Karl-Josef Laumann stellte gerade seine Propaganda-Website für die generalisierte Pflegeausbildung vor. Dies ist ein recht ungewöhnlicher Weg, um für Unterstützung für Gesetze zu werben. Dem Staatssekretär ist es in diesem Zuge vollkommen egal, dass neben der Altenpflege auch die Kinderkrankenpflege in ihrer bisherigen Form durch das Gesetzesvorhaben quasi abgeschafft wird. 

Denn die von Laumann gewollten, generalistisch künftig ausgebildeten „Pflegefachleute“ werden nicht mehr in der Lage sein, mit 500 Gramm leichten Frühchen umzugehen, 3-Monats-Koliken zu erkennen oder eine fachlich fundierte Krankenbeobachtungen in Krisen bei Kinderkrankheiten zu bewerkstelligen. 

Auf die mit der Generalistik einhergehende drastische Verschlechterung der Kinderkrankenpflege weist auch die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD) hin. Die GKinD macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass Kinder keine Erwachsenen sind, sondern je nach Alter (Säugling, Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher) eine spezielle Anforderung an die Pflegekraft stellen. Insofern fordert die Gesellschaft zu Recht, dass das Berufsbild der Kinderkrankenschwester erhalten bleiben muss. 

Leider wird das die Politik nicht interessieren. Politischer Wille ist es, bis 2030 Strukturen zu schaffen, die Pflege billig macht. Denn zum einen dürfen die Sozialkassen nicht über Gebühr belastet werden, zum anderen darf der Beitrag für die Pflege-Pflichtversicherung nicht steigen. Das würde ja Wählerstimmen kosten – und so wird fleißig Lobbypolitik auf dem Rücken der Schwächsten betrieben.