Bundesgesundheitsminister fordert Nachfolge für den Pflege-TÜV

Und das möglichst schnell. Der CDU-Politiker fordert die Heimbetreiber und die Pflegekassen auf, zügig eine Nachfolgelösung für den derzeitigen „Pflege-TÜV“ zu entwickeln. Das aus gutem Grund, denn schon ab 2018 soll die Neuregelung für den stationären und ab 2019 dann auch für den ambulanten Bereich kommen. 

Wohl aufgrund der massiven Kritik an der bisherigen Form des Pflege-TÜV fordert der Bundesgesundheitsminister, dass es nun einen kompletten Neustart statt einer weiteren Behelfslösung geben soll. Gröhe befürchtet, dass bei einer solchen Behelfslösung die Kritik am Pflege-TÜV nicht verstummt. 

Kritik fürchtet er vor allem aus wissenschaftlicher Sicht. Keinem helfe es, wenn auch die neue Lösung wieder in Frage gestellt wird. Die jetzigen Probleme liegen auf der Hand: Bewertet wird überwiegend, wie hübsch die Pflegedokumentation geschrieben ist – aber nicht das, was wirklich beim Patienten passiert. 

Hermann Gröhe erwartet von den Kostenträgern und Heimbetreibern, dass nicht einfach die alten Bewertungskriterien neu gewichtet werden. Vielmehr müssen die Heime grundsätzlich anders bewertet werden. Angehörige und Interessierte müssen in die Lage versetzt werden, Heime wirklich belastbar vergleichen können. Hierfür muss laut Gröhe die Ergebnisqualität eine viel größere Rolle spielen als bisher. 

Gefragt ist auch immer wieder die Pflegewissenschaft, damit endlich valide Ergebniskriterien für die Bewertung von Heimen und ambulanten Diensten gefunden werden. Doch diese beschränkt sich bislang auf das Verbrennen von Steuergeldern, um in so genannten „Aktualisierungen“ von Expertenstandards (Zusammentragen längst bekannten Wissens) um kleinste Formulierungen zu ringen. Wünschenswert wäre, wenn Hermann Gröhe hier mal auf den Tisch hauen würde und die Pflegewissenschaft aus ihren Elfenbeintürmen hinaus in das Leben ziehen und somit in die Pflicht nehmen würde.