Absolventen von Pflegestudiengängen fluten die Kliniken

Die Hochschulen produzieren massenweise Häuptlinge in Form von hochschulgraduierten Pflegefachkräften. Was dabei untergeht, ist die Produktion von Indianern, die die praktische Arbeit ausführen sollen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Akademisierung der Pflege geteilte Meinungen hervorbringt. 

Die Kliniken wissen schon nicht mehr wohin mit den Absolventen von etwa 40 Pflegestudiengängen in Deutschland. Insofern wurden auf dem Deutschen Pflegekongress Stimmen laut, die einen Wechsel der Stationsorganisation fordern. Dies sei notwendig, um akademisch qualifizierte Pflege einzuführen. Was auch immer das sein soll, wenn es (noch) gut ausgebildete Pflegefachkräfte gibt (bis dann die Generalistik kommt). 

In der Praxis haben unsere Kollegen in den Krankenhäusern massive Probleme, die ganzen Absolventen der Pflege-Studiengänge adäquat unterzubringen. Diese Tatsache äußerte zum Beispiel der Pflegedienstleiter der Kliniken des Landkreises Neumarkt (Bayern), Bernhard Krautz. 

Laut Krautz seien die Fragen nach den Zielen der Akademisierung der Pflege bereits vor vier Jahren beantwortet worden. Erreicht werden solle die fachliche Weiterentwicklung der pflegerischen Leistungen unter anderem durch die Reflexion pflegerischen Handelns. Aus Sicht der Redaktion also das, was eine Pflegefachkraft lernt, wenn sie in der Ausbildung die Evaluation des Pflegeprozesses lernt.

 Damit die Absolventenflut sinnvoll in den Kliniken eingesetzt werden kann, hat eine Mitarbeiterin eines Hamburger Krankenhauses auf dem Pflegekongress dargestellt. In dem „Kompetenzmodell“ sollen für die Studierten und den „normalen“ Pflegefachkräften die verschiedenen Tätigkeiten in der Pflegepraxis dargestellt werden. In einem 6-Stufen-Modell sollen alle formalen Qualifikationen berücksichtigt und Aufgaben definiert werden.

Viel heiße Luft um nichts also. Denn an den fachlichen Anforderungen an die Durchführung von Grund- und Behandlungspflegemaßnahmen ändern diese Worthülsen nichts. Es lässt sich nur erahnen, dass eine weitere Verwissenschaftlichung der Pflege angestrebt werden soll.

Bleibt zu hoffen, dass wir dann auch in Zukunft noch zupackende, gestandene Pflegekräfte an den Betten haben. Wohin die Zwangsverwissenschaftlichung der Pflege führt, wird an der sinnlosen Widerkäuerei von Fachliteratur – hochtrabend – nationale Expertenstandards genannt – leider immer wieder deutlich.