Pflegeperspektiven im Überblick

Der Koalitionsvertrag verspricht vieles – ohne, dass die jeweilige Finanzierung überhaupt schon steht. Oft haben wir an dieser Stelle den großen Wurf für die Pflege gefordert – allein, es ist nichts passiert. Auch die Angaben im Koalitionsvertrag sind eher enttäuschend und verkaufen oft alten Wein in neuen Schläuchen. 

Eine zusammengefasste Übersicht der geplanten Vorhaben: 

  • Erleichterungen für Angehörige bei der Berufsauszeit zur Pflege. Die ambulanten Pflegeleistungen sollen denen für Pflegebedürftige im Heim angeglichen werden
  • Betreuungsbereich: Aufstockung von 24000 qualifizierten Kräften auf 45000. Auch körperlich Pflegebedürftige sollen mehr Betreuung erhalten.
  • Demenzbereich: Pflegeversicherung stellt sich besser auf Demenzkranke ein.
  • Pflegestufengrade sollen erweitert werden um Bereiche Selbständigkeit, Wahrnehmungsbereiche und Bewusstsein.
  • Finanzrücklagen: der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) zum 1.1.2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen.
  • Die Hilfen zur Weiterführung des Haushaltes sollen ausgebaut werden. Durch eine Förderung der ehrenamtlichen Tätigkeiten und den Ausbau bei den Betreuungskräften.
  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege: verfallene Leistungen für nicht beanspruchte Kurzzeitpflege soll man in Zukunft auch leichter für einen Pflegedienst daheim verwenden können.
  • Lohnersatz bei Organisation der Pflege zuhause:
  • Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben
  • Begriff der Pflegebedürftigkeit: Die heutigen drei Pflegestufen soll durch weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen dann offiziell pflegebedürftig machen.
  • Pflege-TÜV: Die Qualitätsprüfungen sollen aussagekräftiger und vertrauenswürdiger werden.
  • Aktuell bedeuten gute Heim-Noten nicht selbstverständlich gute Versorgung und Pflege – zum Leid der Angehörigen
  • Künftig sollen stärker konkrete Pflegeergebnisse eines Heimes in die Note einfließen und die Ergebnisse im Internet nachvollziehbar veröffentlicht werden.
  • Einführung eines Rechtsanspruches auf Familienpflegezeit ohne große Gehaltseinbußen in Kauf nehmen zu müssen
  • Tages- und Nachtpflege: Die Betreuung der Pflegebedüftigen übernimmt an bestimmten Zeiten am Tag eine Pflegeeinrichtung. Das Essen muss dann gezahlt werden, Pflegekosten und Hol- sowie Bringdienste aber nicht. Ferner soll es mehr Ansprüche auf diese Leistung geben. Bislang ist im Satz für die Tagespflege die Pflege und Betreuung sowie die Verpflegung drin, die Hol- und Bringdienste nicht
  • Neuer Vorsorgespartopf: pro Jahr soll hier eine Milliarde Euro hineinfließen.
  •  Zuschüsse für Umbaumaßnahmen im Wohnumfeld werden angehoben: aktuell gibt es bspw. 2557 Euro, wenn man für die Pflege etwa das Bad umbauen muss. Bis zum Jahre 2021 verspricht die Koalition eine Erhöhung der Zuschüsse. Auch für Wohngruppen sollen Zuschüsse steigen.