Der Fahrplan zur Pflegekammer steht fest

Die erste Pflegekammer wird es entweder in Schleswig-Holstein oder in Rheinland-Pfalz geben. In 2016 soll es spätestens soweit sein. Die Gründungen werden derzeit vorbereitet. Aber die vielen Diskussionen für oder gegen eine Kammer sind dennoch im vollen Gange. 

Auch in Niedersachsen und Bayern sind Fortschritte in Richtung Selbstverwaltung der Pflege zu erkennen. Sturm gegen die Pflegekammern laufen aber immer noch die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitsgeberverbände. Diese ungewöhnliche Allianz aber bekommt Risse: Verdi sitzt in Rheinland-Pfalz mit im Gründungsausschuss und soll dem Vernehmen nach konstruktiv mitarbeiten. 

Aber auch die direkt Betroffenen – nämlich die Pflegekräfte – sind nicht unbedingt mit breiter Mehrheit für eine Pflegekammer. Mit nur 51% Zustimmung fiel das Ergebnis einer Befragung in Schleswig-Holstein recht knapp aus. Allerdings haben auch nur 1.140 von 40.000 Pflegekräften an der Umfrage teilgenommen. 

Hier setzt auch eine Kritik des Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) an: Der Trägerverband hält das Ergebnis nicht nur wegen der geringen Beteiligung für fragwürdig. Er behauptet ferner, dass zahlreiche Pflegende nur unter der Voraussetzung zugestimmt hätten, wenn das Land Schleswig-Holstein den Kammerbeitrag (angeblich zwischen 60 € für nicht berufstätige Pflegekräfte und 250 € für Pflegemanager) übernimmt. Anders herum aber kann man auch vermuten, dass bei knapp 39.000 „Nichtwählern“ auch eine viel breitere Zustimmung hätte zustande kommen können. 

Der Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes, Rolf Höfert, wird deutlich, was die Gegner der Pflegekammern eigentlich umtreibt: Nämlich ganz einfach einen Verlust von Macht und Einfluss. Die Gegner der Kammern sind nicht daran interessiert, dass die Pflegekräfte ihre Interessen selbst vertreten, Fort- und Weiterbildung und Qualitätssicherung unabhängig organisieren sowie ihr Berufsrecht selbst gestalten.