Zwangsarbeit in der Pflege für Arbeitslose

Wie kann man den schlechten Ruf der Pflege zementieren? Ein Kreisbeigeordneter in Mittelsachsen beantwortet diese Frage auf seine Weise: Zwangsarbeit für Hartz-IV-Empfänger in der Pflege. Alternativ aber darf die Zwangsarbeit auch auf Bauhöfen stattfinden. 

Auf der jüngsten Lokalkonferenz in Sachsen wurde Bahnbrechendes festgestellt: Der Altersschnitt der Bevölkerung steigt, damit auch die Anzahl der zu erwartenden Pflegefälle. Im Gegensatz dazu schrumpft die Bevölkerung. Der Dorfpolitiker Dieter Steinert – seines Zeichen in verantwortungsvoller Position als „zweiter Kreisbeigeordneter“ ist aber der Meinung, dass „zu viele untätig zuhause rumsitzen und keine Chance auf einen Job haben“ 

Die Leistungsbezieher sollen „verpflichtet sein, etwas für die Gesellschaft zu tun“, so der besorgte zweite Kreisbeigeordnete. Steinert fabuliert weiter, dass die Langzeitarbeitslosen Senioren betreuen können und damit dazu beitragen, dass diese länger zu Hause wohnen bleiben können. 

Dem sächsischen Dorfpolitiker ist durchaus klar, dass viele seinen Ansatz verpönen. Seine schon in der Nazizeit angewendete Arbeitsverpflichtung begründet er damit, dass Hartz-V-Bezieher Potenzial sind, welche aktiviert werden müsse. Dazu will er an die sächsischen Abgeordneten herantreten – schließlich müssen dazu Gesetze geändert werden. 

Zum Glück gibt es Kritik aus der Pflege – schließlich geht es um qualifizierte Arbeit, für die Fachkompetenz benötigt wird, so eine Vertreterin aus der ortsansässigen ambulanten Pflege. Auch stationäre Einrichtungen, die schon länger Langzeitarbeitslose als Alltagsbegleiter einsetzen, merken an, dass hier eine genaue Selektion der Arbeitskräfte notwendig ist. 

Eine weiterer vom zweiten Kreisbeigeordneten Vorschlag ist der, Hartz-IV-Empfänger bis zu 15 Wochenstunden in Bauhöfen von Gemeinden einzusetzen. Aus Sicht der Redaktion kann man nur hoffen, dass diese Schnapsideen ungehört in den Tälern der sächsischen Schweiz verhallen.