Wohlfahrtsverbände sehen das PNG als heftigen Schlag gegen die Pflege

Dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) weht immer mehr eisiger Wind entgegen. Jüngster Aufreger für die Leistungserbringer sind die Vergütungsangebote der Kassen für die Zeitvergütung und die Betreuungsleistungen nach § 123 SGB XI. Im hessischen Gießen haben sich die Wohlfahrtsverbände in einem Arbeitskreis ebenfalls kritisch geäußert. 

Unstrittig ist, dass das PNG für demente und in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkte Menschen spürbare Verbesserungen bringt. Auf den ersten Blick kann sich die ambulante Pflege durchaus über neue Umsatzpotenziale freuen. Auf den zweiten Blick aber nutzen die Kassen das PNG gezielt als Schlag gegen die ambulante Pflege. 

Im Zentrum der Kritik stehen vor allem die Vergütungsangebote der Pflegekassen. Diese ermöglichen in der jetzigen Form keinesfalls kostendeckende Pflege- und Betreuungsleistungen.  Damit besteht für die ambulanten Anbieter ein massives Insolvenzrisiko (Achtung, hier Werbung für den PWA!!!). Ein kritisches Statement zu diesem Sachverhalt hat jetzt der Arbeitskreis der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Stadt und Landkreis Gießen veröffentlicht. Aus der Sicht der Wohlfahrtsverbände sei die Umsetzung des PNG noch nicht durchdacht

In Hessen bieten die Pflegekassen für die Betreuungsleistungen gerade mal 16 Euro – vergleichbar mit dem Angebot in Nordrhein-Westfalen. Zu dem Angebot bei der Zeitvergütung konstatiert Eva Hofmann von der Caritas, dass man mit Stundensätzen zwischen 22 und 28 Euro keine Leistungen für Pflege und Hauswirtschaft anbieten kann. Ferner ist bei solchen Dumpingvergütungen nicht drin, dass man in der ambulanten Pflege sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse ohne Unterschreitung des Mindestlohnes anbieten kann. 

Laut Frau Hofmann ist es ein Skandal, wenn Pflegedienste mit vielen Fachkräften unter dem Prüf- und Kontrolldiktat der Politik und Kassen sowie dem stark angestiegenen Dokumentationsaufwand für zum Teil deutlich unter 28 Euro Pflegeleistungen anbieten müssen. 

Die Redaktion kann sich der Meinung nur anschließen. Man fragt sich, was die Pflegekassen reitet, wenn die gesamte ambulante Pflege ruiniert werden soll. Schließlich liegen die Stundenkosten ambulanter Pflegedienste real bei 40 Euro und mehr.