Sozialstation pleite: Diakonie und Caritas warnen vor Pflegekrise

Diakonie und Caritas bangen um ihre ambulanten Pflegedienste in Baden-Württemberg. In Karlsruhe ist gerade die erste Sozialstation pleite gegangen. Die Gründe sind offensichtlich: Gestiegene Personal- und Sachkosten gegenüber fast gleich gebliebenen Einnahmen. In dem Bundesland drohen nun weitere Schließungen. 

Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg beklagen nicht nur die zu geringen Vergütungen. Vielmehr geht es beiden Trägern darum, einerseits die überschaubaren Vergütungen mit den ständig steigenden Kosten (vor allem Benzin) und den kostspieligen und ebenfalls ständig steigenden bürokratischen Anforderungen ins Verhältnis zu setzen. Dadurch kommen immer mehr ambulante Pflegedienste in wirtschaftliche Schieflage

Wie man sich unschwer vorstellen kann, weigern sich die Kassen, mehr zu bezahlen. Wie kritisch allein die Vergütung ist, zeigt folgendes Beispiel:

Eine Patientin erhält täglich von der Sozialstation in einem Hausbesuch eine Blutzuckermessung, eine Insulininjektion, eine Medikamentengabe und ihr werden die Kompressionsstrümpfe angezogen - vergütet werden diese Pflegeleistungen von der Krankenkasse mit insgesamt 9,04 Euro

Ein Aufschlag verweigern die Kassen natürlich – obwohl streng genommen 4 vergütungsfähige Leistungen auf einmal erbracht werden. 

Die Forderungen seitens Caritas und Diakonie an die Kassen sind folgende: 

  • Mindestens fünf Prozent mehr Gehalt für die ambulanten Pfleger
  • somit etwa 60.000 Euro jährlich für je eine von 350 Stationen im Land 

Die Kassen bieten hingegen lediglich 2,4 % mehr. 

Für die Zukunft malt vor allem die Caritas ein düsteres Bild. Bereits jetzt sind 60% der Sozialstationen im Minus. Die Folge sind Personalkürzungen und damit auch Schließungen von weiteren Sozialstationen. Denn ohne Personal kann keine ambulante Pflege betrieben werden. Im schlimmsten Falle kann das bedeuten, dass Menschen, die normaler Weise ambulant versorgt werden können dann ins Heim müssen. Und das wird für die Kassen dann deutlich teurer.