Sogar die Ärzteschaft fordert Pflegekammern

Das Thema „Pflegekammer“ geistert schon seit einiger Zeit durch die Branche. Von manchen als Interessenvertretung gefordert, von den anderen verflucht. Nun fordert sogar die Bundesärztekammer die Einrichtung solcher Pflegekammern. Anfang Juli hatten sich Entscheider aus Gesundheitswirtschaft und Politik auf dem Hauptstadtkongress für Medizin und Gesundheit getroffen. Ein großes Thema war dabei die Gründung von Pflegekammern. 

Der Zweck von Pflegekammern ist es, als Interessenvertretung für den Berufsstand der Pflege sowie als Lobbyarbeiter zu fungieren – neben den Berufsverbänden und weiteren Interessenvertretern. Auf dem Hauptstadtkongress hat ein Ministeriumsmitarbeiter aus Rheinland-Pfalz einen beachtenswerten Beitrag dazu geleistet. 

Der vorgetragene Bericht aus dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz zeigt den Sachstand und vor allem die Perspektiven für eine Pflegekammer auf. Quer durch alle Parteien findet die Gründung einer Pflegekammer übrigens in Rheinland-Pfalz Zustimmung. Auch mehr als dreiviertel aller Pflegenden, die repräsentativ zu dem Thema befragt wurden, begrüßen die Einrichtung einer Pflegekammer. 

Das Gesetzgebungsverfahren zur Gründung von Pflegekammern könnte Mitte 2014 abgeschlossen sein. Auf dem Hauptstadtkongress in Berlin herrschte schlussendlich auch der Konsens zwischen allen beteiligten Berufsgruppen, dass die Pflege eine deutschlandweite Interessenvertretung benötigt.

Kritische Stimmen kommen derweil aus Bayern und aus Berlin selbst. Aus Bayern ist zu hören, dass eine Pflegekammer keinen Nutzen hätte und als Bürokratiemonster nur Kosten verschlingen würde, die durch die Pflege finanziert werden müsse. Auch die Arbeitgeberverbände aus der Pflege in Berlin sind skeptisch, diese blasen in das gleiche Horn wie die Bayern.
Die schleswig-holsteinische Landesregierung will unterdessen mit Hilfe einer repräsentativen Befragung unter den Pflegenden das Stimmungsbild im Bezug auf eine Pflegekammer ausloten. 

Insgesamt aber scheint sich abzuzeichnen, dass die Gegner der Pflegekammern aus den Reihen der Arbeitgeberverbände, aber auch der Gewerkschaften kommen.