Rückt die Ausbildungsreform in der Pflege näher?

Bis auf wenige Ausnahmen besteht Einigkeit über eine Ausbildungsreform in der Pflege. Eckpunkte sind zum einen die generalistische Ausbildung. Hierbei sollen die Ausbildungsgänge Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einem Ausbildungsgang zusammen geführt werden. Zum anderen soll berufsrechtlich ein Weg in die Pflege über ein Bachelorstudium ermöglicht werden. 

Der Reformansatz für eine generalisierte Pflegeausbildung speist sich vor allem aus den steigenden Anforderungen bei den Patienten und den veränderten Versorgungssystemen. Hinzu kommen Ableitungen aus demografischen Veränderungen: Es muss anders und besser qualifiziert werden, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden. Dazu gehört auch, eine Ausbildung zu schaffen, die Menschen nicht nur für den Beruf gewinnen – sondern diese Menschen auch ein Leben lang in den Beruf halten kann. Die Ausbildung soll sich zudem dahingehend wandeln, dass gelehrt wird, wie Wissen erworben, aktualisiert und in die Praxis umgesetzt wird. Statt wie früher den Lehrlingen Techniken und Fakten einzuhämmern. 

Die Befürworter der generalisierten Ausbildung nehmen vor allem die Altenpflege aufs Korn: Die Anforderungen haben sich mehr denn je von einem sozialpflegerischen Anforderungsprofil weg zu einem Heilberuf hin entwickelt. Wer heute also zurück zur sozialpflegerischen Altenpflege von damals will, hängt die Altenpflege von der Professionalisierungsdebatte in der Pflege ab. Schlimmer noch – es könnte zu einer Deprofessionalisierung der Altenpflege führen. Das könnte sich unter anderem irgendwann auch negativ auf die Löhne auswirken. 

Ferner argumentieren die Befürworter der generalisierten Ausbildung wie folgt:

  • Ohne generalisierte Ausbildung fehlt die Anschlussfähigkeit in Europa
  • Die pflegerische Steuerung, Begutachtung und Beratung läge nicht mehr in der Hand der Altenpflege, sondern in der generalistisch reformierten Krankenpflege
  • Die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ ist keine Basis für die Zukunft
  • Je höher die Qualifikation der Pflegenden, desto geringer die Folgeschäden und Sterbefälle 

Egal, wohin die Reise geht: Für die Pflege ist es sicherlich von Vorteil, über „heilige Kühe“ zu sprechen. Aus Sicht der Redaktion ist es nicht verkehrt, den Blick über den nationalen Tellerrand zu wagen und sich mit Konzepten zu befassen, die zu einer weiteren Professionalisierung der Pflege führen.