Personalmangel - Pflegedienst muss Patienten kündigen

Im Raum Stuttgart wurde nun ein Fall publik, der Branchenkenner überhaupt nicht mehr wundert: Ein Pflegedienst muss einigen Kunden die Kündigung überreichen, um weiterhin existieren zu können und dabei qualitativ gut zu arbeiten. Was die betroffenen Kunden zu Recht nicht verstehen, ist für die Betreiberin leider ein Sachzwang, der vor allem Kassen und Politik zu verdanken ist. 

Der betreffende Pflegedienst begründet die Kündigungen mit Umstrukturierungen, aufgrund dessen sei die erforderliche Pflege nicht mehr zu leisten. Betroffen von den Kündigungen sollen mindestens 20 Kunden sein. Manche der gekündigten Versicherten fürchten aufgrund ihrer hohen Pflegebedürftigkeit, keinen Ersatzpflegedienst mehr zu finden. 

Die Betreiberin des Pflegedienstes begründet die Umstrukturierungen damit, dass mit dem noch verbleibenden Personal die Qualität nicht zu halten wäre, wenn man alle Kunden behalten würde. Laut lokaler Medien setzt die Betreiberin auf günstigere Pflegehilfskräfte, weil Pflegefachkräfte zu teuer seien, um einfache pflegerische Tätigkeiten wie Frühstück zubereiten oder Duschen abzuleisten. Der Pflegedienst würde seine Touren in Palliativ- und Behandlungspflegetoren einerseits und Grundpflegetouren andererseits aufteilen. Die erstgenannten Toren werden durch Fachkräfte und die Grundpflegetouren durch Helfer bedient. Was aus Sicht unserer Redaktion auch völlig logisch erscheint, solange sich die Fahrtzeiten in Grenzen halten. 

Aus unserer Sicht steckt dahinter eine ganz andere Not: Nämlich die Schwierigkeit, überhaupt noch Pflegefachkräfte zu finden, um die Dienste abzudecken. In der Verzweiflung werden dann die Touren so gestrickt, dass der Fachkräftemangel aufgefangen werden kann. 

Dass es gerade hochgradig Pflegebedürftige schwer haben, einen Pflegedienst zu finden, liegt aus Sicht der Redaktion übrigens auf der Hand: Ein Pflegedienst kann es sich bei den Dumpingvergütungen der Kostenträger wirtschaftlich einfach nicht mehr leisten, zum Beispiel eine Stunde erforderliche Körperpflege für 20 Euro zu leisten. 

Solange Politik und Kassen nicht dafür sorgen, dass erheblich mehr Geld in das System Pflege kommt, wird es solche aus Sicht der pflegebedürftigen Menschen bittere Situationen immer wieder geben.