Kassen verweigern Leistungen bei hunderttausenden Versicherten

Im Gegensatz zum Fabelreich von Transparency International bringt uns diese Meldung zurück in die Realität: Die Kassen weigern sich, Leistungen für ihre Versicherten zu erbringen -  obwohl sie dazu verpflichtet sind. Das bringt sogar einen Politiker auf Trab: Gesundheitsminister Bahr ist ob der Leistungsverweigerung der Kassen erbost. 

Krankenversicherte Menschen in Deutschland bekommen in hunderttausenden Fällen negative Bescheide zu Leistungen wie Krankengeld, Reha oder Hilfsmitteln – Leistungen, die ihnen eigentlich zustehen. Erstaunlicher Weise geht dies aus Daten vom MDK hervor – der Organisation, die normaler Weise als Kettenhund der Kassen auftritt. 

Gesundheitsminister Bahr kritisierte dieses Verhalten als „nicht in Ordnung“. Es könnten nicht massenhaft Anträge abgelehnt werden. Dies müsse geprüft werden. Laut Bahr besteht durch das Patientenrechtegesetz eine Möglichkeit für die Versicherten, ihre Ansprüche durchzusetzen. Dadurch sind die Kassen unter Druck, Anträge schnell zu bearbeiten. 

Laut der oben erwähnten MDK-Daten soll es zum Beispiel bei ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit (AU) in 16% der Fälle MDK-Gutachten gegeben haben, die die AU aufgehoben haben. 

Ferner kam es im letzten Jahr durch Mitarbeiter der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) bei Beratungsgesprächen zum Krankengeld zu fast 1.000 problematischen Fällen. Bei 25 % dieser Fälle ist es dann tatsächlich zu Leistungsverweigerungen der Kassen gekommen. 

Ein anderes Thema sind die Reha-Leistungen. Hier lehnten die Kassen bei satten 39% der Fälle die beantragten Leistungen ab. Eine ähnlich stattliche Quote bei den Hörgeräten: Hier wurden mal eben 37 % der Anträge abgelehnt

Gerade die „ambulanten“ Leser unter Ihnen werden sich hier wiederfinden. Oft werden zum Beispiel SGB V-Verordnungen grundlos gekürzt oder ganz abgelehnt. Oder es wird den Nachbarn Geld angeboten, die Leistungen durchzuführen. Im Gegensatz dazu beharren die Kassen bei den Pflegediensten auf die Fach- und Sachkenntnis der Pflegedienstmitarbeiter, um Behandlungspflegeleistungen zu erbringen. Der halbdemente Nachbar aber kann für einen Zehner am Tag die Herzmedikamente für den Patienten verabreichen... 

Kassenlogik mitten in Deutschland.