Heimleiter ärgert sich über seine MDK-Note von 1,0

Armin Rieger leitet in Augsburg das Haus Marie und hat bei MDK-Prüfungen mehrfach gute Noten bekommen. Anders als viele seiner Kollegen ärgert er sich über diese Noten – insbesondere über die 1,0, die es zwischendurch sogar gab. Rieger meint, dass es hier darum ginge, Betrug zu legalisieren. Er teilt den MDK-Prüfern mit, dass er keine gute Note von diesen bekommen möchte. Der streitbare Heimleiter sagt dem System den Kampf an. 

Armin Rieger hält die gesamte Bewertung für Verbrauchertäuschung. Damit steht er nicht allein. Selbst die bayerische Sozialministerin zweifelte an, ob der landesweite Notenschnitt von 1,3 die tatsächliche Situation in den Heimen widerspiegelt. Kein Geheimnis ist ferner, dass das gesamte Notensystem von Experten angezweifelt wird. 

Dem Heimleiter des Hauses Marie geht es nicht primär darum, das Notensystem und den MDK anzugreifen. Vielmehr sorgt er sich darum, dass es in der Pflege mittlerweile um Macht und Geld geht – nicht mehr um Nächstenliebe. Aus Sicht der Redaktion hat er damit nicht Unrecht – denkt man an die hedgefondsfinanzierten privaten Altenheimketten

Passend dazu gibt es von einer Unternehmensberatungsgesellschaft eine Umfrage: Hier kam heraus, dass jede zehnte befragte Einrichtung angab, dass die Belegung nach Veröffentlichung einer guten Pflegenote gestiegen sei. Und das, wonach gute Noten nur durch gute Dokumentation – aber nicht durch gute Pflege zustande kommen. 

Rieger selbst hat bei der letzten MDK-Prüfung eine 3,6 geradezu erzwungen. Er wollte bewusst ein schlechtes Ergebnis erzielen. Zum Beispiel weigerte er sich, Unterlagen herauszugeben, die die Prüfer bereits bei der letzten Prüfung gesehen hatten. Trotz der 3,6 hat er in seiner Einrichtung keinerlei Belegungsprobleme – sein Haus genießt einen guten Ruf, unabhängig von guten oder schlechten  Papiernoten

Schlussendlich ist seine Botschaft an MDK und Kassen deutlich: Es dürfte Gründe geben, warum die Bewertungen alle so positiv ausfallen – so braucht seitens der Kassen auch nicht mehr Personal für die Altenpflege finanziert zu werden. 

Aus Sicht der Redaktion bleibt zu hoffen, dass zum Beispiel den hochdotierten Wissenschaftlern endlich etwas einfällt, um Kriterien für die Messbarkeit von Ergebnisqualität zu finden und so ein wirklich brauchbares Prüfsystem installiert wird. Eines, welches Verbrauchern nicht gute Papiernoten vorgaukelt, sondern etwas über die tatsächliche Versorgungsqualität aussagt.