Hausarztzentrierte Versorgung mit mehr Leistungen

Im § 73b SGB V ist hinterlegt, dass Versicherte eine besondere hausärztliche Versorgung in Anspruch nehmen können. Ziel ist es, den Hausarzt in seiner Funktion als Lotsen zu stärken. Die Teilnahme für Versicherte und Ärzte an solch einer Versorgungsform ist freiwillig. Anlaufadresse Nummer eins für den Versicherten soll stets der Hausarzt sein. Er fungiert als Lotse und koordiniert, organisiert und überweist je nach Bedarf und Indikation weiter an entsprechende Fachärzte. Die AOK in Baden-Württemberg baut nun ihren Hausarztvertrag aus – zum Wohle der Versicherten. 

Der Hausarztvertrag ist bundesweit der erste Vollversorgungsvertrag, der seit dem Start des § 73b geschlossen wurde. Der Vertrag besteht zwischen den Partnern Hausärzteverband, Medi (bundesweiter Zusammenschluss von Ärztenetzen) und der AOK. Dieser wurde nun überarbeitet. Hintergrund ist die steigende Anzahl chronisch kranker Menschen und der gleichzeitig sinkenden Zahl von Hausärzten

Die Veränderungen sind im Einzelnen:

  • Bei Patienten der hausarztzentrierten Versorgung, die in Pflegeheime leben, können teilnehmende Hausärzte pro Quartal 15 € Hausbesuchspauschale abrechnen
  • Ab 2014 will die AOK auch das besonders intensive, hausarztbasierte Fall-Management von chronisch kranken, multimorbiden Patienten gesondert vergüten
  • Ein neues Angebot für junge Erwachsene sieht vor, pro Fall und Quartal 80 € für die Versorgung von Hausarzt und Versorgungsassistentin zu vergüten
  • Zusätzlich 40 € Vergütung für Anamnese und Gesundheitsberatung dieser jungen Erwachsenen
  • Ferner sollen 1000 Dienstwagen für die Versorgungsassistentinnen zur Verfügung gestellt werden
  • Der teilnehmende Hausarzt erhält einen Zuschlag von vier Euro auf die kontaktunabhängige Pauschale P1 für HzV-Patienten, die auch im AOK-Facharztprogramm eingeschrieben sind. Das betrifft zurzeit 160.000 Versicherte. 

Doch damit nicht genug: Weitere Merkmale der umgangssprachlich als "HzV 2.0" bezeichneten Vertragsnovelle sind zum einen ein erhöhter Impfzuschlag auf ein bis drei Euro und zum anderen veränderte Quoten, die einen Bonus bei wirtschaftlicher Verordnung auslösen. Gerade letzteres soll ein Anreiz sein, die Motivation der Hausärzte zu steigern, wirtschaftlich zu verordnen – ohne Einschränkung von Qualität und Therapiefreiheit

Aus Sicht der Redaktion sind solche Modelle der hausarztzentrierten Versorgung ein interessanter Ansatz. Wir sind gespannt, wie sich solche Modelle auf die Gesamt-Versorgungsqualität auswirken.