Gute Pflege führt zu Rückstufungen und verschärft Personalmangel

Auf der einen Seite ist die Qualität der pflegerischen Versorgung massiv gefährdet. So arbeiten viele Akteure mit übersichtlichem Erfolg daran, die personelle Zukunft zu sichern. Auf der anderen Seite sägen Pflegeeinrichtungen, die qualitativ gute Arbeit leisten, an ihrem eigenen Ast: Je fitter die Bewohner / Patienten dank der guten Pflege werden, desto mehr von ihnen werden zurückgestuft. Gerade im stationären Bereich führt dies dann zu einer Absenkung des Personalstandes. 

Eine Einrichtungsleiterin aus Nordrhein-Westfalen beklagt sich darüber, dass gute Arbeit bestraft wird. Gerade bei dementen Bewohnern nimmt der MDK reihenweise Rückstufungen vor. Dies liegt daran, dass die betreffenden Bewohner im Heim eine Tagesstruktur erhalten, die ihren Zustand dadurch verbessern können. Und die Krux ist, dass im stationären Bereich der Personalschlüssel an den Pflegestufen hängt. Je geringer die Pflegestufen, desto weniger Personal. 

Dadurch werden Arbeitsplätze abgebaut und der Personalmangel verschärft. Schließlich kann mit weniger Personal die gute Versorgung, die zu einer Verbesserung der Pflegesituation einzelner Pflegekunden geführt hat, nicht mehr aufrecht erhalten werden. Vor diesem Hintergrund mutet es seltsam an, dass ein hochrangiger Diakonie-Mitarbeiter meint, dass bis 2020 jeder 5. Berufsanfänger für eine Pflegeausbildung gewonnen werden muss, um den Kollaps zu vermeiden. 

So wie es ist, frisst sich das System gerade selber auf. Dadurch wird das Berufsbild der Pflege auch nicht attraktiver für Bewerber. Auch die Hochschule für Gesundheit in Bochum stellt seit ihrem Start von vor drei Jahren fest, dass die Bewerberzahlen für den Bachelor-Studiengang Pflege kontinuierlich sinken – trotz hervorragender Zukunftsperspektiven, so die Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs. 

Aus Sicht der Redaktion dürfte einiges an der Neuformulierung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes hängen. Möglicher Weise lässt sich dann der Rückstufungswahn von Kassen und MDK etwas abmildern, damit auch in Zukunft in den Einrichtungen genügend Personal für gute Pflege vorgehalten werden kann. So wird der Beruf auch wieder attraktiver für Berufsanfänger.