Gefahr für Pflegedienste: Pflege wird zu teuer – viele kündigen

Konkret geht es um die in Nordrhein-Westfalen eingeführte Ausbildungsumlage. Durch die Ausbildungsumlage sollen mehr Ausbildungsplätze in der ambulanten Pflege geschaffen werden. Das Fernziel ist klar – dadurch soll dem Personalmangel entgegen gewirkt werden. Der Haken an der Sache ist nur, dass durch die Ausbildungsumlage die Pflege teurer wird. Die Umlage bleibt nämlich an den Patienten hängen – und die kündigen nun reihenweise Pflegeleistungen. 

Die ganze Sache funktioniert so: Entsprechend der so genannten Altenpflegeausbildungsausgleichsverordnung des Landes sollen alle Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen entsprechend ihrer Größe (durchschnittlich belegte Pflegeplätze bzw. den von den Diensten abgerechneten Punkten) in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Wer ausbildet, bekommt die Ausbildungsvergütung vollständig aus dem Fonds erstattet. Dadurch wird ein starker Anreiz für mehr Ausbildung gesetzt. Außerdem wird der von den Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten beklagte Wettbewerbsnachteil ausgeglichen. 

Das Dumme ist nur, dass in der ambulanten Pflege die erforderlichen Preissteigerungen in der Grundpflege 1:1 an die Pflegekunden weitergegeben werden muss – in Form höherer Punktwerte. Die Folge sind für die ambulanten Dienste zum Teil dramatisch

  • Die Kosten für ambulante Pflegeleistungen sind um bis zu 14% teurer geworden
  • Laut einer Umfrage haben ca. 30% der Pflegekunden in Pflegestufe I Leistungen gekündigt
  • Die gekündigten Leistungen belaufen sich auf etwa 10% des Gesamtvolumens 

Für einen ambulanten Dienst mit 100 Kunden und einem durchschnittlichen SGB XI-Umsatz pro Kunde von 5.000 € im Jahr bedeutet das einen Umsatzverlust von 50.000 €. Dies entspricht etwa den Kosten für 1,5 Fachkräfte

Der unerwünschte soziale Effekt daran ist Folgender: Die Patienten sparen Geld bei ihrer Pflege ein, die sie eigentlich dringend benötigen

Insofern muss auch die Frage erlaubt sein, ob sich nicht die Kassen stärker an den Ausbildungskosten beteiligen. Auch NRW-Sozialministerin Steffens wäre es lieber, wenn die Lasten nicht allein auf den ambulanten Diensten und deren Kunden ruhen. Sondern auch die Kassen dabei wären. 

Aus Sicht der Redaktion können wir uns dem Gedanken von Frau Steffens nur anschließen.