Endlich Gerechtigkeit bei Begutachtungen in Sicht?

Viele Heimbetreiber und auch selbst pflegebedürftige Versicherte dürften angesichts der neuen Vorschläge zu den Prüfungskriterien in Erleichterung aufatmen. Siegt irgendwann dann doch noch die Vernunft? Wenn ja, dann zum Unmut der Pflegekassen – verlieren diese doch ein gutes Stück ihrer Macht. 

An dieser Stelle muss man die Politik einmal in Schutz nehmen: Die Union macht sich zur Zeit bei den Kassen heftig unbeliebt. Wagten Sie doch tatsächlich den Vorschlag zu unterbreiten, den Kassen die bisherige alleinige  Macht bei der Kontrolle von Pflegeinstitutionen und der Pflegebegutachtung zur Einstufung zu entziehen. 

Bisher erfolgte eine Begutachtung der Pflegebedürftigen auf diesem Wege: 

Der MDK (Medizinische Dienst der Krankenversicherung) kam in die Einrichtungen um Patienten zu begutachten und in eine Pflegestufe einzuteilen. Gerne ohne Begleitung einer Pflegefachkraft, ohne die Anwendung pflegefachlicher Instrumente zur Begutachtung und auch ohne fundierten Einblick in die Pflegedokumentation. Erschreckend, war doch der MDK allein 2012 für insgesamt 1,6 Millionen Pflege-Begutachtungen zuständig. 

Und die Fakten machen Heimbetreibern wie Pflegebedürftigen Angst: 

  • Bei rund einem Drittel der mehr als 800.000 Erstbegutachtungen war das Ergebnis: "nicht pflegebedürftig".
  • In der Hälfte der Fälle wurden die Betroffenen in Pflegestufe 1 eingestuft,
  • in 14 Prozent in Stufe 2
  • nur in drei Prozent in Stufe 3.
     

Dem MDK wird immer wieder vorgeworfen, nicht unabhängig von den Kassenleistungen zu beurteilen, sondern unter Einfluss gewisser Kostenpunkten aus eigenem Interesse zu handeln. 

Nun wird vorgeschlagen, den MDK als unabhängiges Institut von den Kassen abzulösen und unter den Prüfern auch eine gewisse Quote an Betroffenen zu beschäftigen. Wie nicht anders zu erwarten, wollen die Kassen gegen die Unionspläne mit starkem Protest vorgehen. 

Ebenso ist der Pflege-TÜV stark in der Kritik der Unionspläne. Viele Heime bekommen gute Noten - sind in der Realität aber alles andere als gut. Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Kassen und Heimbetreibern wurden zuletzt Verschärfungen versprochen. Ob diese allerdings kommen, dürfte ungewiss sein. Demnächst kommt für die stationären Einrichtungen die neue PTVS – aber soviel steht schon jetzt fest: Wenn sich etwas verschärft, dann nur die Anforderungen an die Papiernote. Die Ergebnisqualität wird weiter links liegen gelassen.