Die Fachkraftquote auf dem Prüfstand

Die Debatten um die Fachkraftquote im stationären Bereich werden immer lauter. So auch auf dem 11. Symposium von KWA Kuratorium Wohnen im Alter. Dort diskutierten Experten über Alternativen zur Fachkraftquote im stationären Bereich. 

Dr. Stefan Arend, Vorstand von KWA Kuratorium Wohnen im Alter fragte auf dem Symposium mit dem treffenden Titel „Fachkraftquote –Qualitätsmaßstab oder Sackgasse?“, ob die Fachkraftquote Fachkraftquote wirklich ein Qualitätsindikator sei oder aber zeitnah einer gründlichen Revision bedürfe. Arend stellte hierzu 3 zentrale Fragen: 

  1. Passt die Fachkraftquote zu neuen Konzepten wie Hausgemeinschaften und Wohngruppen?
  2. Entspricht die Fachkraftquote noch dem modernen Verständnis von professioneller Pflege?
  3. Lässt sich die Fachkraftquote angesichts des Fachkräftemangels überhaupt noch halten? 

Anscheinend zog das Thema. Etwa 120 Vertreter aus der Pflegebranche nahmen teil. Die Referenten auf dem Symposium waren sich einig, von den starren 50% weg zu kommen. Nur wie, darüber existierten verschiedene Meinungen.

Erste Ansätze gibt es bereits: 

  • in Mecklenburg-Vorpommern findet eine Öffnung der Berufsgruppen statt (Einbeziehung der Hauswirtschafts-Fachkräfte)
  • Bremen berücksichtigt neue Konzepte (Hausgemeinschaften)
  • Hamburg wird den Trägern mehr Verantwortlichkeit übergeben. Die Hansestadt will die Fachkraftquote lockern 

Prof. Dr. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule in Freiburg sprach sich ebenfalls für mehr Verantwortung der Träger aus. Gleichzeitig merkte der Jurist aber an, dass viele der Träger nicht in der Lage seien darzulegen, wie und wo sie ihre Fachkräfte einsetzen. Klie, der auch zugleich Gerontologe ist, wünscht sich mehr einen kompetenzbezogenen Einsatz von Mitarbeitern. Das wäre die Abkehr von klassischen Präsenzvorstellungen. Zudem könne man mit Blick auf die Wissenschaft Modellprojekte zur Flexibilisierung des Fachkräfteeinsatzes auflegen. 

Prof. Hermann Brandenburg von der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar findet das Stichwort „Qualifikationsmix“ ebenfalls interessant. Er ist aber eher der Auffassung, dass die unterschiedlichen Berufsgruppen zu wenig miteinander kommunizieren. Interdisziplinäre Fallbesprechungen könnten da weiter helfen. Ferner sieht er Veränderungsbedarf hinsichtlich der Rolle von Aufsichtsbehörden. Man muss sich hier  überlegen, wann hier kontraproduktive Entwicklungen eintreten. Lebensqualität könne nicht von außen geprüft werden. 

Michael Wipp von der Haus Edelberg Dienstleistungsgesellschaft seinerseits hält Forderungen zur Absenkung der Fachkraftquote oder Pflegehelfer auf der Basis einer bestimmten Anzahl von Berufsjahren zur Fachkraft zu ernennen, für keine brauchbaren Alternativen. Wipp hält auch nichts davon, jede x-beliebige Fachkraft einzustellen, nur um auf die 50% zu kommen. Dadurch würde die Qualität eher sinken. Er plädiert viel mehr für eine Neuausrichtung in Anlehnung an die ambulanten Strukturen (Primary Nursing) aus, also für eine qualitative Fachkraftquote. Als überprüfbare Qualitätsanforderungen nannte er Zusatzqualifikationen und verpflichtende Fortbildungen. Für eine qualitative Fachkraftquote seien schon jetzt genügend Ressourcen vorhanden. 

Einigkeit herrschte darüber, dass die Fachkraftquote kein Qualitätsindikator sei. So schwanken die Fachkraftquoten in den einzelnen Bundesländern zwischen 48% (Sachsen) und 59% (Thüringen)- ein Hinweis darauf, dass die Pflege in Thüringen nun eine besonders hohe Qualität aufweist, existiert nicht...