Deutscher Stressreport – Pflege mit zweifelhaftem Spitzenplatz

Zu viel Stress in Pflegeberufen – Politik ignoriert Verantwortung
Aus dem Bundesarbeitsministerium kommt der Stressreport 2012. Aus diesem geht wenig Erbauliches für die Pflege hervor. Wird im Report doch festgehalten, dass die Pflegeprofis besonders unter Stress leiden. Als Folge gehen Pflegende häufiger vorzeitig in Rente. Der Fachverband „Deutscher Berufsverband für Pflegekräfte“ (DBfK) nimmt dafür die Politik ins Visier: Diese müsse die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig verbessern. 

Christel Bienstein kritisiert in Ihrer Funktion als DBfK-Präsidentin die Politik, dass diese sich nicht zuständig fühlt, die Situation der Pflegenden zu verbessern. Dabei ist die Faktenlage eindeutig: 

  • Die Krankenkassen berichten seit Jahren, dass psychische und belastungsbedingte Erkrankungen bei Pflegenden überproportional zunehmen
  • die deutsche Rentenversicherung meldet ein deutliches Ansteigen der Frühberentungen, vor allem bei Pflegepersonal. 

Laut Bienstein ist der Zusammenhang zwischen der Aussage im Stressreport sowie der schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege überdeutlich. 

Die Politik würde stattdessen wie zum Beispiel Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf die Verantwortung der Unternehmen und ihrer Führungskräfte verweisen, anstatt selbst Rahmenbedingungen zu gestalten. Auch hier nennt Frau Bienstein Fakten: 

  • Seit Mitte der neunziger Jahre gibt es in Deutschlands Krankenhäusern keine gesetzlich verpflichtende Pflegepersonalbemessung mehr
  • Seitdem orientiert sich der Personaleinsatz nicht mehr am Pflegebedarf der Patienten, sondern an der Kassenlage der Klinik
  • Die Verantwortung für eine angemessene Versorgung pflegebedürftiger Menschen im Bereich der Altenpflege (SGB XI) wird den Pflegeeinrichtungen überlassen - ohne angemessene Kostenerstattung zu gewährleisten
  • Gesetze, die Mitarbeiter vor dauerhafter Überlastung, Unfällen und Berufskrankheiten schützen sollen, werden regelmäßig unterlaufen 

Der Verband fordert statt Imagekampagnen endlich Taten für die belastete Pflege. Zum Beispiel dafür zu sorgen, dass der Pflegeberuf dauerhaft, ohne ständig krank zu werden und mit hoher Motivation ausgeübt werden kann. 

Seitens des Gesundheitsministers Daniel Bahr (FDP) kommt die Aussage, dass das deutsche Prinzip der Pflegeausbildung für eine hohe Qualität steht. Hinter Rumänien würde Deutschland die meisten Pflegekräfte exportieren. 

Die Antwort des DBfK lautet dazu nur, dass Bahr den Vergleich mit Rumänien für positiv hält. Schließlich seien dort die Bedingungen für Erwerbsarbeit viel schlechter als im Großteil des EU-Raumes.