Demenzkranke sollen künftig mehr Hilfe bekommen

Wie wir neulich berichteten, arbeitete der Pflegebeirat bis zuletzt an einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Aus einem nun veröffentlichten Bericht geht nun hervor, wie eine umfassende Reform der Pflegeversicherung in Zukunft mehr Hilfe für Demenzkranke bringen soll. Allerdings sind Umfang der Hilfen und deren Kosten noch völlig offen. 

Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) hatte den Expertenbeirat eingesetzt. Dieser legte nun einen 218 Seiten starken Entwurf vor. Dort ist unter anderem skizziert, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bewirken soll, dass die von Pflegebedürftigkeit Betroffenen anders und umfassender als Empfänger von Leistungen aus der Versicherung anerkannt werden. 

Unter anderem wird angedacht, geistig Beeinträchtigte in die Pflegeversicherung aufzunehmen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass eine Verdoppelung der Demenzkranken von heute 1,2 Millionen auf 2,5 Millionen in 2060 erwartet wird. Bislang berücksichtigt die soziale Pflegeversicherung diese Menschen nicht. Zur Zeit gibt es nur rudimentäre Leistungen bei „eingeschränkter Alltagskompetenz“. 

Neben der bislang fehlenden Systematik zur Integration Demenzkranker in die Pflegeversicherung fehlen auch schlicht die Mittel. Hier ist die Politik gefragt, entsprechende Gelder freizusetzen. Der Expertenbeirat geht vage von etwa 2 Milliarden Mehrleistungen (Geld- und Sachleistungen) pro Jahr aus. 

Der Beirat fordert in seinem Papier, dass Betreuung keine zusätzliche Leistung mehr sein solle, sondern eine dritte, gleichwertige Säule der Leistungen der Pflegeversicherung. 

Mitglieder des Expertenbeirates zeigten sich enttäuscht, dass man sich nicht auf stärkere finanzielle Vorgaben einigen konnte. Immerhin aber taugt der Bericht als Vorlage für eine große Reform nach der Bundestagswahl. Der Bericht soll dem Bundesgesundheitsminister Ende Juni in Berlin übergeben werden.