Vermehrte Arztvisiten im stationären Bereich – aber bitte kostenlos

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat mi ihrem Vorschlag, die ärztliche Versorgung in den Heimen zu verbessern, mächtig Staub aufgewirbelt. Die KBV will, dass der Hausarzt nicht nur eng mit dem Pflegepersonal kooperiert, sondern auch die fachärztliche, rehabilitative und palliative Versorgung seiner Heimpatienten koordiniert. Aufgrund der zu erwartenden Mehrkosten von 30 Millionen Euro schreien vor allem die gesetzlichen Krankenversicherungen auf.

 Das Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG) sieht im § 119b II vor, dass die KBV, der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) und die Pflege-Bundesverbände mit Hilfe eines Kollektivvertrages Vereinbarungen zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern treffen. Die KBV legte hierzu jüngst einen Vorschlag vor, der folgende Eckpunkte beinhaltet:

  • Koordination von fachärztlicher, rehabilitativer und palliativer Versorgung durch den Hausarzt
  • Anleitung pflegender Angehöriger, regelmäßig nach den anverwandten Heimbewohnern zu schauen und untereinander die Arzneimitteltherapie abstimmen
  • Regionale Öffnungsklauseln

 Die KBV ist der Auffassung, dass solche Regelungen die Anzahl der Krankenhauseinweisungen senken würden und somit Einsparpotenzial im Gesundheitswesen frei wird.

 In seltener Einigkeit sind sowohl der GKV sowie die Pflegeverbände gegen diese Ideen der KBV. Kern der Argumentation beider Parteien ist, dass die KBV mit den 30 Millionen Mehrkosten nur Leistungen verteuern will, zu denen ihre Mitglieder ohnehin schon verpflichtet sind. So gehören die Hausbesuche der im Heim lebenden Patienten zur Regelleistung niedergelassener Ärzte.

 Zumindest die Pflegeverbände begrüßen die Idee einer engmaschigeren Versorgung, sind neben den Kosten aber auch skeptisch, was die Qualitätssicherung angeht. Sollten Haus- oder Fachärzte die medizinische und pflegerische Versorgung in Heimen steuern dürfen, fordern die Pflegeverbände einen einheitlichen Dokumentationsstandard für die Ärzte und Pflegekräfte. Ferner machen die Pflegeverbände darauf aufmerksam, dass der Koordinationsaufwand der pflegerischen Versorgung immer noch im Hoheitsbereich der Pflege liege. Folgerichtig müsste diese von Mehrvergütungen ebenfalls profitieren und der monetäre Zugewinn dürfe nicht ausschließlich bei der Ärzteschaft liegen.