Transfersummen in der häuslichen Intensivpflege

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde jüngst eine aufsehenerregende Reportage ausgestrahlt: Laut dieser werden für lukrative Intensivpatienten regelrechte Ablösesummen gezahlt und weniger lukrative Patienten aussortiert. Angeblich werden für Patienten zwischen 40.000 und 60.000 Euro im Monat gezahlt. Die Meinungen hierzu sind unterschiedlich. 

Reporter der ARD haben nach eigenen Angaben ein Verkaufsgespräch verdeckt gefilmt. Dabei wurden ihnen 5 Intensivpatienten für 250.000 € angeboten – zuzüglich der Pflegeteams, die die Kunden versorgen. Der Verkäufer warb zusätzlich damit, dass keiner der angebotenen Pflegekunden im Sterben liege. Am Beispiel einer Patientin wurde vorgerechnet, dass pro Monat ein Gewinn von 4.000 € erzielt werden könne. 

Ferner liegen dem Sender Verträge vor, aus denen hervorgeht, dass pro Patient 40.000 € fällig werden, wenn die Übernahme erfolgreich ist, zuzüglich 20.000 € pro Patient, wenn dieser mindestens zwei Monate bei dem neune Anbieter bleibt. 

Im vorliegendem Fall wurde einem Intensivpflegedienst, der als Käufer auftrat, vorgeworfen, nur die lukrativen Patienten aufzukaufen – nicht aber die weniger lukrativen Patienten. Der Käufer wies dies zurück und entgegnete, es würde sich um medizinisch komplexere und nicht kostendeckende Fälle handeln, deshalb habe man den Kaufpreis reduzieren wollen. Mit lukrativen Intensivpatienten, bei denen die Kassen eine 24-Stunden-Versorgung bezahlen, lassen sich in der Tat pro Monat im Schnitt Gewinne zwischen 2.000 und 4.000 € erwirtschaften. 

Eine Betroffenheitsmiene setzen, wie zu erwarten, die Politiker auf. Manche Gesundheitspolitiker wollten von nichts wissen, andere Politiker sprachen von Geschäftemacherei. Traurig genug, das Politiker nicht mal über Basiswissen aus ihrem Ressort verfügen. Aus Sicht der Redaktion ist aber das Gerede von Ethik und Moral übelste Heuchelei: Zum einen ist die Politik alleinverantwortlich für die schlechten Rahmenbedingungen in der Pflege. Zum anderen hat sich noch kein Politiker über Panzerlieferungen in den nahen Osten beklagt. 

Fundierter ist da die Kritik von der Oberärztin Simone Rosseau, unter anderem tätig im Vorstand einer der wichtigsten Fachgesellschaften für außerklinische Beatmung. Sie sieht zu Recht die Gefahr, dass Intensivpatienten zu spät oder gar nicht von der Beatmung entwöhnt werden. Diese Patienten bekämen dann nicht die für sie notwendige Behandlung, weil diese nicht mehr so lukrativ ist. 

Allerdings darf man nicht vergessen, dass der An- und Verkauf ambulanter Dienste ein ganz normaler, immer wiederkehrender Vorgang in der Pflegebranche ist. Der Preis für ambulante Dienste berechnet sich dort ebenso im weitesten Sinne nach der Ertragskraft der einzelnen Patienten. 

Schlussendlich ist nur eines entscheidend: Egal, wer pflegebedürftige Menschen versorgt – wichtig ist die Qualität der Dienstleistung und die menschliche Zuwendung, die die Patienten erfahren.