Schlecker-Frauen sollen in der Pflege anpacken

Um den Pflegenotstand zu mildern, wollen unsere Volksvertreter nun die Schlecker-Frauen für die Altenpflege begeistern. Was auf den ersten Blick völlig an den Haaren herbeigezogen wirkt, kann aber durchaus auch positive Aspekte haben, so Claus Fussek in einem Interview. 

In gewohnt drastischer Natur behauptet Fussek, dass in Heimen Menschen arbeiten würden, die nicht mal in einem Tierpark angestellt würden. Aus seiner Sicht würden die Schlecker-Frauen helfen können, das angekratzte Image der Altenpflege aufzupolieren. Der Pflegekritiker fordert zurecht, dass die Pflege Mitarbeiter benötigt, die verantwortungsbewusst, freundlich und höflich sind – kurzum, Menschen, die über eine vernünftige Sozialkompetenz verfügen. In seinem Interview schildert er, dass er viele Rückmeldungen über unmotivierte und überforderte Pflegekräfte erfahren habe.

Unter den ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen würden sich Mitarbeiter finden, die über viel Lebenserfahrung und eben genau die Sozialkompetenz verfügen, die Claus Fussek einfordert. Er kritisiert, dass Altenpflegeschulklassen künstlich aufgefüllt werden, ungeeignete Leute vom Jobcenter geschickt werden und unreflektiert Mitarbeiter aus dem Ausland eingestellt.

Ein weiterer Vorteil, den er bei den Schlecker-Mitarbeitern sieht, ist, dass diese gut organisiert sind und gelernt haben für ihre Rechte zu kämpfen. Der Pflegenotstand aber kommt ursächlich auch durch schlechte Entlohnung und Personalmangel zugrunde. Fussek sagt, wenn sich Mitarbeiter aller Sozialberufe solidarisieren würden und gegen diese Arbeitsbedingungen kämpfen würden, würde die Erfahrung der Schlecker-Frauen helfen. 

Unterm Strich hegt der bekannte Pflegekritiker die Hoffnung, dass durch die Umschulung von geeigneten Schlecker-Mitarbeiterinnen zum einen die Qualität des Pflegepersonals steigt und zum anderen ein Ruck durch die Belegschaften geht, sich gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und mangelhafte Entlohnung zu wehren. Ob diese Hoffnung aufgeht, darf aus Sicht der Redaktion bezweifelt werden. So lange es keine strukturellen Änderungen in der Finanzierung von Pflege sowie in der Pflegeausbildung gibt, wird sich grundlegend nicht viel ändern. Unbesehen bleibt, dass jede gute Pflegekraft immer ein Gewinn ist!