Prüfungsvorbereitungskurse für ausländische Fachkräfte

Auf der einen Seite leidet Deutschland am Fachkräftemangel – auf der anderen Seite werden Ressourcen nicht ausgeschöpft. Mittlerweile gibt es genug Einwanderer, die in ihren Heimatländern die Berufsausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen haben und entsprechende Berufserfahrung gesammelt haben. Nun aber versucht das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) diesem unbefriedigendem Zustand Abhilfe zu schaffen. 

Zur Zeit können etwa 30.000 Stellen in der Pflege nicht besetzt werden. Trotz dieses Mangels müssen ausländische Krankenschwestern und Pfleger nicht selten einen zähen Kampf führen, um in Deutschland die heiß ersehnte Anerkennung zu bekommen. Damit diese ausgewiesenen Fachleute endlich in ihrem Beruf arbeiten können  und sich nicht als Pflegehelfer verdingen müssen. 

Eine entsprechende Initiative ging nun vom bbw aus. Den ausländischen Fachkräften werden in 23 Kurstagen der aktuelle fachliche Stand der Pflege hierzulande vermittelt. Neben klassischen Pflegethemen werden auch die Bereiche „dokumentierter Pflegeprozess“ sowie „Verwaltung und Recht“ geschult. Damit bekommen die ausländischen Pflegekräfte eine breite Wissensbasis, um in der stationären und ambulanten Pflege fit für die speziellen deutschen Anforderungen zu sein. 

Mittlerweile haben in München bereits einige Teilnehmer mit dem Unterricht begonnen. Unterstützt wird die Initiative durch einen der größten Trägerverbände ambulanter und stationärer Pflege – dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Ein bpa-Sprecher kritisiert, dass die Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte nicht transparent sind. Es kann bei jedem Antragsteller individuell entschieden werden, ob er sofort zu einer Anerkennungsprüfung zugelassen wird oder ob er zunächst noch ein paar Monate Praktikum absolvieren muss. Aus Sicht des bpa aber sei eine gezielte Prüfungsvorbereitung sinnvoller, als ein Praktikum im Krankenhaus

Laut dem Trägerverband arbeiten zur Zeit allein in Bayern in stationären Einrichtungen etwa 700 bis 1000 Mitarbeiter, die nicht als Fachkräfte anerkannt sind.  Rechnet man das auf den Bund hoch und bezieht die ambulanten Pflegedienste mit ein, könnte ein Potenzial von bis zu 15.000 Kräften unentdeckt im deutschen Pflegesektor schlummern. 

Übrigens: Die Teilnehmer der bww-Weiterbildungsmaßnahme werden in Bayern durch das staatliche Förderprojekt „WeGeBAU (Weiterbildung gering qualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer)“ gefördert. Dieses Programm gibt es auch in anderen Bundesländern und kann unter anderem für den Zweck der Nachqualifizierung ausländischer Fachkräfte genutzt werden.