Noch mehr Verwaltungsaufwand für ambulante Dienste

Mit Inkrafttreten des neuen § 120 SGB XI kommt auf die ambulant tätigen Führungskräfte unter Ihnen eine signifikante Neuerung zu. Ab 2013 nämlich müssen Sie zwei Kostenvoranschläge erbringen. Den einen wie üblich nach Ihren Leistungskomplexen orientiert. Den zweiten allerdings müssen Sie so gestalten, dass Sie Zeitkontingente anbieten. Grund dieser Neuerung ist, dass der Gesetzgeber beabsichtigt, dem Pflegekunden eine Wahlmöglichkeit anzubieten. Entweder kauft der Kunde eine vordefinierte Leistung zu einem vordefiniertem Preis (Beispiel: Ganzkörperwaschung für 17 Euro) oder aber er kauft ein Zeitkontingent ein (Beispiel: 15 Minuten Pflege für 9,50 Euro).

Bei den Leistungskomplexen haben Sie in jedem Bundesland einen so genannten Leistungskomplexkatalog, der mit Punkten oder Preisen hinterlegt ist. So können Sie bislang jedem Kunden erklären, was in einem Einsatz passiert und was dieser Einsatz kostet. Hier weiß sowohl der Pflegekunde als auch der Anbieter, was Grundlage des Pflegevertrages ist.

Bei der Abrechnung nach Minuten kommt für Sie eine heikle Aufgabe zu. Zunächst müssen Sie definieren, was eine Pflegeminute kostet, damit Sie auch weiterhin profitabel arbeiten können. Die Krux ist nämlich dabei Folgende: Sie müssen Einsätze nach Zeitvergütung immer profitabel planen. Bei der alten Systematik der Leistungserbringung müssen Sie nur darauf achten, dass Sie über eine Abrechnungsperiode profitabel arbeiten. Durch diese Mischkalkulation können Sie einzelne verlustbringende Einsätze auffangen. Ganz einfach, warum: Mal brauchen Ihre Pflegekräfte länger beim Kunden, mal weniger lange bei gleichem Leistungskomplex. Weitere Herausforderungen sind Folgende:

  • Sie benötigen für Kostenvoranschläge nach Zeit möglicher Weise eine neue Softwarelösung – Sie müssen künftig also zwei Systeme parallel fahren.
  • Die Kunden kaufen bei Ihnen nur Minuten, wenn Sie in der Zeit soviel Leistung wie möglich erbringen. Für aktivierende Pflege bleibt keine Zeit mehr
  • Streitigkeiten über den Inhalt der Leistungen im Rahmen der vereinbarten Pflegeminuten, weil die Leistungen im Vertrag nicht klar definiert sind
  • Verlängerung des Einsatzes bei Mehrleistungen, die plötzlich beim Einsatz anfallen und Ihnen somit nicht vergütet werden.
  • Die Pflegeplanung kann nicht mehr punktgenau geschrieben werden. Dies kann zu Problemen bei der MDK-Prüfung führen 

Übrigens: Nach Zeit können Sie nur im SGB XI-Bereich abrechnen. Für den SGB V-Bereich gelten nach wie vor die Vergütungsvereinbarungen nach §§ 132, 132a SGB V. Die Abrechnung nach Leistungsminuten kann im SGB V-Bereich nach bisherigen Erkenntnissen nicht funktionieren. 

Diese geplante Neuregelung beherbergt als viel Zündstoff und vor allem noch mehr Verwaltungsaufwand für die ambulanten Pflegedienste.