Mangel an Gesamtstrategie zum Infektionsschutz in Krankenhäusern

Was man in der stationären und ambulanten Altenpflegeeinrichtungen schon immer ahnte, ist nun Gewissheit: Auch in Krankenhäusern herrschen Hygienemängel. Aufgrund von Personal-, Geld- und auch mangelndem Informationsfluss sehen sich Krankenhäuser außerstande, Hygienemaßnahmen vernünftig umzusetzen. Das ist das erschütternde Ergebnis einer Online-Umfrage, die die Initiative Infektionsschutz jüngst durchgeführt hat. 

An der Umfrage nahmen vor allem Hygienefachpflegekräfte, Chefärzte sowie Ärzte aus Häusern mit einer Größe von 200 bis 1.000 Betten teil.

Folgendes wurde mit 77 Fragen in einem Fragebogen erhoben:

  • Fragen zu Leitlinien und Standards
  • Verfahrensanweisungen beim Screening, bei der Überwachung und bei Antibiotikagabe 

Die Bewertungen folgten dem System der Schulnoten. Dabei kamen im Einzelnen folgende Ergebnisse:

  • Die personelle Situation wurde gerade mal mit „befriedigend“ bewertet 

Ferner kamen folgende Ergebnisse heraus – unabhängig von Schulnoten: 

  • Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, keine hauptamtlichen Krankenhaushygieniker zu beschäftigen
  • Nur knapp die Hälfte der Befragten gibt an, ein MRSA-Screening nach den Indikationen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention durchzuführen
  • Ca. jeder 17.Befragte gab an, dass überhaupt kein Screening zu MRSA durchgeführt werde
  • Mehr als die Hälfte der Befragten führen auch bei Ausbruch von MRSA kein Mitarbeiter-Screening durch 

Erstaunlicher Weise aber kam bei der Befragung heraus, dass sich die befragten Teilnehmer im Bereich „Leitlinien und Standards“ gut aufgestellt fühlen. Aus Sicht der Redaktion liest sich das so, dass zwar fachliche Standards vorhanden sind, sich aber kaum einer darum schert. Während ambulante und stationäre Pflegeeinrichtung kleinteilig vom MDK hinsichtlich der Einhaltung von Hygienestandards geprüft werden, dürfen in Krankenhäusern weiter ungestraft Keime gezüchtet werden. Es wäre hilfreich, wenn solche Umfrageergebnisse irgendwann dazu führen, dass auch Krankenhäuser fachlich geprüft werden und nicht nur hinsichtlich ihrer Abrechnungspraktiken.