Konjunkturrisiko Pflege-Engpass

Nun schlägt auch die Wirtschaft angesichts aktueller Zahlen zum Bedarf an Pflege-Fachkräften Alarm. Der Mangel an Personal könnte die Konjunktur hart treffen, sollte jetzt nicht gegengesteuert werden, so der Tenor. Warum dies so ist, erklären führende Experten aus der Wirtschaft 

So hat sich zum Beispiel der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) besorgt über den Fachkräftemangel im Pflegebereich geäußert. Aus Sicht des DIHK sei der Engpass mittlerweile deutlich spürbar – und würde weiter zunehmen. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks führt weiterhin aus, dass fast 70 % der Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich im Fachkräftemangel ein erhebliches Risiko für ihre künftige Geschäftstätigkeit sehen. In sämtlichen Branchen der Gesamtwirtschaft würde das Phänomen des Fachkräftemangels nur etwa jedes dritte Unternehmen belasten. Dies ist natürlich eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Gesundheitsbranche und der restlichen Wirtschaft. 

Laut Klaus Zimmermann, seines Zeichens Direktor des

Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeige sich am Bereich der Pflege exemplarisch, dass in Deutschland ein Gesamtkonzept zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen fehle. Er weist darauf hin, dass die Alterung der Gesellschaft immer noch unterschätzt werde. Zimmermann sieht darin sogar Sprengstoff für den Generationenvertrag, wenn die Frage der Betreuung und Pflege im Alter nicht überzeugend beantwortet wird. 

Zahlen belegen die Problematik:

  • Seit 2007 hat sich die Zahl der Stellenangebote für examinierte Altenpfleger mehr als verdreifacht
  • Auf 10 Stellenangebote kommen lediglich 3 Bewerber
  • Die Neubesetzung einer offenen Stelle dauert im Schnitt fast 4 Monate 

Ferner kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von heute etwa 2,5 Millionen bis in das Jahr 2050 auf etwa 4 Millionen Menschen steigt.  Dadurch steigt allein der Bedarf an Pflegefachkräften bis dahin auf bis zu 2,1 Millionen Beschäftigte. Dies ist mehr als eine Verdoppelung, zur Zeit arbeiten knapp eine Million Arbeitnehmer im Pflegebereich. Schon bis 2020 – also bereits in acht Jahren -würden 220.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, so der IZA-chef Zimmermann. Er spricht sich deshalb dagegen aus, ausschließlich auf die Umschulung von Arbeitslosen zu schulen. Laut Zimmermann erfüllen „viele von diesen die Voraussetzungen für eine solche anspruchsvolle Aufgabe gar nicht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.