Keine Pflegeausbildung für Normalsterbliche mehr

Warum unfähige Politiker nach Brüssel weggelobt werden, zeigt sich in diesen Wochen einmal mehr. Die EU-Kommission verfolgt den Plan, die Pflegeausbildung in allen EU-Mitgliedsstaaten nur noch nach einer 12-jährigen Schulbildung zugänglich zu machen. Auf Deutsch: Realschulabsolventen dürften dann nicht einmal mehr zur Kranken- bzw. Altenpflegeausbildung zugelassen werden. 

Gegen diesen Irrsinn wehrt sich die Dienstleistungsgesellschaft verdi zu Recht. Ihre Argumentation ist klar formuliert:

  • Die Schulausbildung ist in den Mitgliedsstaaten zu unterschiedlich
  • Ein vergleichbares Qualitätsniveau in der Pflege wird durch eine einheitliche Ausbildung geschaffen, nicht durch 12-jähriges Drücken der Schulbank
  • Menschen, die keinen Zugang zu gymnasialer Schulbildung haben, fallen als Nachwuchs weg
  • Schon jetzt haben in Deutschland 85% der Altenpflegeauszubildenden keine 12-jährige Schulkarriere hinter sich 

Sollte sich die EU-Kommission mit diesen Plänen durchsetzen, würde der Pflegenotstand in Deutschland weiter verschärft. Nicht nur durch die Zugangsbeschränkung deutscher Auszubildender. Genau so würden die Bemühungen einiger Organisationen konterkariert, die zur Linderung des Pflegenotstandes Nachwuchskräfte aus anderen EU-Ländern anwerben. Laut verdi wäre Deutschland gezwungen, eine niedrigschwelligere Pflegeausbildung einzuführen, um den Bedarf an Pflegekräften zu decken. Dies würde den Trend zu weiterer gering qualifizierter Arbeit und damit Lohndumping führen. 

Ferner argumentiert verdi, dass es zur Zeit keine Hinweise darauf gibt, dass die Auszubildenden in der Pflege nicht mit den steigenden fachlichen Herausforderungen zurechtkommen. Der Richtlinienentwurf der EU-Kommission sieht Rahmenbedingungen vor, die in der deutschen Pflegeausbildung zudem schon längst gelebter Standard ist. 

Die EU-Kommission begründet ihren Vorstoß ferner damit, dass durch höhere Zugangsvoraussetzungen auch ein höheres Ansehen des Pflegeberufes einhergeht. Dem widerspricht verdi entschieden. Ein höheres Ansehen eines Berufes wird vor allem durch

  • gesellschaftliche Bedeutung
  • Bezahlung
  • Maß an Selbstbestimmung
  • Arbeitsbedingungen

geprägt. Und diese Faktoren lassen sich nicht durch eine fragwürdige Richtlinie beeinflussen. Es bleibt also zu hoffen, dass der Vorstoß der EU-Kommission nichts weiter als eine Nebelkerze bleibt.