Explodierende Benzinpreise setzen ambulante Pflegedienste unter Druck

Der Berliner AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheits-pflegeeinrichtungen e.V. (AVG) schlägt Alarm: Seit zehn Jahren sind die Benzinpreise um 65% gestiegen – Diesel sogar um 80%. Dies setzt ambulante Pflegedienste mehr und mehr unter Druck. Schließlich sind die Autokosten nach den Personalkosten die höchsten in einem ambulanten Pflegedienst. 

Durch die Benzinpreisexplosion steigen die Ausgaben für ambulante Pflegedienste massiv. Hierzu ein Beispiel: Ein Pflegedienst, der pro Jahr insgesamt 150.000 Kilometer zur Kundenversorgung fahren muss, hat in 2002 etwa 10.500 € aufgewendet, in 2011 aber schon knapp 17.500 € aufgewendet. (angenommen ist ein Durchschnittsverbrauch von 7 Litern/100 km). Dafür, dass im Gegenzug die Vergütungen kaum steigen – oder dank der Kassen gesenkt werden wie in Mecklenburg-Vorpommern – ist dies eine Menge Holz. 

Dies bringt einige Pflegedienste so langsam in wirtschaftliche Bedrängnis. Laut AVG haben die Pflegedienste nicht die finanziellen Reserven, die jetzigen Benzinpreise zu kompensieren. Die Kassen sehen diese Problematik nicht und verweisen auf das unternehmerische Risiko der Pflegedienste, so der AVG weiter. 

Vorstandsmitglied Thomas Meißner greift in diesem Zusammenhang auch die AOK an und verweist auf die sechs Jahre andauernde Verweigerungshaltung dieser, die Leistungsentgelte anzuheben. So sei es unmöglich, eine qualitätsgerechte und wirtschaftliche Versorgung aufrecht zu erhalten, wenn gleichzeitig die Anforderungen und Sachkosten ständig steigen. Laut Meißner leiden tausende von ambulanten Diensten in Deutschland unter diesen Rahmenbedingungen, während die gesetzliche Krankenversicherung auf Milliarden von Euro Überschuss sitzt. Der AVG fordert neben der Erhöhung der Anfahrtspauschale auch die Absenkung der Abgaben auf Kraftstoffpreise. 

Aus Sicht der Redaktion kann man dem AVG nur Recht geben. Bedenkt man einerseits die Milliardenüberschüsse, die die GKV angehäuft hat und andererseits, dass der Kostenanteil für ambulante Pflege in Deutschland für die GKV nur 2% beträgt, ist diese Politik der Kürzung und Restriktion nicht nachvollziehbar. Die Politik muss sich zudem fragen, wie denn der Grundsatz „ambulant vor stationär“ haltbar ist, wenn durch weiter steigende Sachkosten bei gleichzeitiger Realabsenkung der Leistungsvergütungen das Pflegedienststerben einsetzt.