Dokumentationsirrsinn kostet die Pflege 2,7 Milliarden Euro

Wie oft haben Sie schon in einer MDK- oder Heimaufsichtsprüfung gesessen und sich über Prüfer geärgert, die jedes noch so winzige Detail dokumentiert haben wollen. Zurecht haben Sie den Eindruck, dass die überbordende Bürokratie in der Pflege Ihnen als Unternehmer einen Haufen Geld kostet. Und genau das ist jetzt amtlich: Das statistische Bundesamt hat erstmals den Bürokratieaufwand in der Pflege in Euro ermittelt 

Dass die Pflegedokumentation ein wichtiges Instrument zum Nachweis der Tätigkeit ist und für Sie eine wichtige Hilfe ist, um für Haftungsfragen gewappnet zu sein, ist selbstverständlich. Ferner dient eine gründliche Pflegedokumentation dazu, die Kommunikation in Ihrer Einrichtung sowie zu den anderen Berufsgruppen sicher zu stellen. Damit muss es aber auch gut sein – leider sehen das die meisten MDK-Prüfer nicht genauso. Und die Heimaufsicht ist auch selten besser. Oft entsteht bei den Prüfungen der Eindruck, dass die Dokumentation wichtiger als der Pflegekunde ist. Und die Praxis der Pflegenotengebung bestätigt dies ja. 

Das statistische Bundesamt hat nun ermittelt, dass allein der Erfüllungsaufwand für die Pflegedokumentation 2,7 Milliarden Euro beträgt. Was man mit 2,7 Milliarden Euro z.B. eher anstellen könnte, sehen Sie hier:

  • Erhöhung des Personalschlüssels für die nächsten 5 Jahre im stationären Bereich. Im Schnitt würde dies für jedes der ca. 12.000 Altenheime 1,5 Vollzeit-Fachkraftstellen mehr bringen
  • Erhöhung der Leistungen für etwa 500.000 Patienten der ca. 11.500 Pflegedienst um 90 Euro pro Monat für die nächsten 5 Jahre 

Die – natürlich unveröffentlichten – Zahlen des statistischen Bundesamtes geben weitere bizarre Fakten preis. So sind in stationären Einrichtungen im Schnitt 3,5 Pflegekräfte täglich ausschließlich mit der Pflegedokumentation befasst. Auf den Monat umgerechnet, entgehen den Heimbewohnern so etwa 820 Pflege- und Betreuungsstunden! Im ambulanten Dienst sind immer noch 2,3 Pflegekräfte pro Tag nur mit der Dokumentation beschäftigt. Im Jahr kostet das einen Pflegedienst bei einem Bruttogehalt von 2000 Euro einer Pflegekraft zuzüglich AG-Anteil satte 70.000 Euro. 

Rechnet man weiter, kommt man zu dem Ergebnis, dass etwa 20% der Arbeitszeit für Dokumentation genutzt werden muss. Man kann nur hoffen, dass die gesamten Zahlen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und somit eine neue Diskussion über den Sinn und Unsinn überbordender Dokumentation, die zu Lasten der hilfebedürftigen Senioren geht, angestoßen wird.