Bei der Zuweisung von Kunden besteht erhebliches Korruptionspotential

Berlin, 22.05.2012

Wie von vielen Heimen und Pflegediensten schon befürchtet, ist nun amtlich: Eine neue Studie belegt, dass das Zahlen von Fangprämien gängige Praxis ist. Diesbezüglich äußern sich niedergelassene Ärzte, leitende Angestellte stationärer Einrichtungen sowie nicht-ärztliche Leistungserbringer in der repräsentativen Untersuchung. Ein Nebenprodukt de Untersuchung ergab ferner, dass 20% der Leistungserbringer keine Kenntnis darüber  oder kein Interesse daran haben, dass Zuweisungen gegen Entgelt illegal sind.

Die Studie fördert erschreckende Zahlen hervor. Etwa jeder 8.Arzt meint, dass Zuweisungen gegen Gewährung wirtschaftlicher Vorteile üblich sei. Jeder 5.Arzt sagt, dass dieses Vorgehen häufig vorkäme. Und sogar jeder 3.Arzt stimmt einem solchen Vorgehen - zumindest teilweise - zu. Georg Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, hält dies für einen Skandal. Aus seiner Sicht würden damit hochgerechnet 27.000 niedergelassene Ärzte gegen das Berufsrecht verstoßen. Bei Anwendung des Strafrechtes würde hier ein erhebliches Korruptionspotenzial sichtbar werden.

Die Vertreter stationärer und nicht-ärztlicher Leistungserbringer sehen den Zusammenhang „Zuweisung gegen Entgelt“ noch deutlicher:

  • 24% der stationären Einrichtungen und 46 % der nicht-ärztlichen Leistungserbringer bezeichnen diese Praxis als üblich
  • 40% der stationären Einrichtungen und 65 Prozent der nicht-ärztlichen Leistungserbringer sagen sogar, dass die Gewährung und Annahme genereller wirtschaftlicher Vorteile üblich sei

Der Studienleiter begründet diese Praxis des „Geben und Nehmens“ damit, dass das Entdeckungsrisiko bei allen Beteiligten als gering eingeschätzt wird.

Neben rein finanziellen Zuwendungen werden gern auch Sachleistungen wie die Übernahme von Tagungskosten oder medizinische Geräte gehandelt. Bei niedergelassenen Ärzten werden auch gern prä- und postoperative Vereinbarungen vorgenommen – natürlich zum gemeinsamen Vorteil des Patientengebers und –nehmers.

75% der nicht-ärztlichen Leistungserbringer geben an, dass ihnen durch diese Praxis ein zum Teil erheblicher wirtschaftlicher Schaden entsteht.

Der GKV-Spitzenverband verspricht Abhilfe. Ab sofort sollen die Kassen die neuen sozialgesetzlichen Möglichkeiten nutzen und so kontrollieren und ggf. sanktionieren.

Traurig nur, dass der Korruption erst jetzt ein Riegel vorgeschoben wird.