Anpassung der Pflegenoten ist dringend nötig – Die Kassen setzen auf schnellen Erfolg durch die Schiedsstelle

Wie schon in einer dieser Ausgaben berichtet, tut sich was hinsichtlich der Reform der Pflegenoten. Der GKV-Spitzenverband setzt sich bereits seit einiger Zeit für eine Überarbeitung des geltenden Notensystems ein. Da die Einrichtungsvertreter bislang die Vorschläge der Kassenseite ablehnen, rufen diese nun die Schiedsstelle an. Dennoch zeigt sich die GKV bereit, parallel mit den Leistungserbringern weiter zu verhandeln. 

Die Schiedsstelle muss nun darüber entscheiden wie und wie umfassend die Reform des Notensystems wird, wenn es weiterhin keine Einigung zwischen den Kassen einerseits und den Leistungserbringern andererseits geben sollte. Ziel der Kassen ist es laut Gernot Kiefer – seines Zeichen Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, dass Pflegebedürftige und deren Angehörige einfach zwischen guter und schlechter Pflege unterscheiden können. Die Forderungen der GKV liegen auf dem Tisch 

  1. Neue Stichproben: aus jeder Pflegestufe werden je 3 Bewohner gezogen – egal, wie groß die Einrichtung ist. Dadurch erhöht sich die Anzahl der während der Qualitätsprüfungen begutachteten Bewohner von 85.000 auf 105.000.
  2. Einführung von höher gewichteten Kernkriterien: Dadurch soll verhindert werden, negative Einzelbewertungen bei der Gesamtnote auszugleichen.
  3. Verzicht auf unnötige Kriterien: Hier soll die Datenerhebung von unnötiger Bürokratie befreit werden. Fragen zu Verfahrensanweisungen zu Erster Hilfe und zu Notfällen könnten neben anderen reinen „Papierkriterien“ komplett entfallen 

Bislang werden in den jährlichen Qualitätsprüfungen noch 64 Kriterien abgefragt, die alle gleich gewichtet sind und eine Gesamtnote ergeben. Hinzu kommen noch 18 Kriterien zur Zufriedenheitsabfrage bei den Heimbewohnern. Im ambulanten Bereich werden aus 37 Kriterien eine Gesamtnote gebildet, hinzu kommen 12 Fragen zur Kundenzufriedenheit. Die Noten werden im Internet veröffentlicht und die Einrichtungen sind verpflichtet, die Ergebnisse gut sichtbar in der Einrichtung auszuhängen.

Aus Sicht der Redaktion scheint eine Reform bitter nötig – gerade im stationären Bereich. Dort können bislang schlechte Noten z.B. bei der Dekubitusprophylaxe, Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung oder aber der Körperpflege mit guten Noten zum Layout des Speiseplanes oder zur subjektiven Wahrnehmung des Speisesaals ausgeglichen werden. Zu Deutsch: optisch liebevoll gestalteter Speiseplan und hübsche Tischdecken toppen das Loch am Steiß mit Blick auf den Knochen. Das mit so einem System kaum ein Verbraucher etwas anfangen kann, liegt auf der Hand.